Körper und Seele

Die Kommunikation mit mündigen Patienten

Ian Talmage, Senior Vice President – Global Marketing, Bayer, war es, der die Botschaft „Patienten sind informierter denn je“, bei der Patient Summit in London auf den Punkt brachte: „ Früher war es selbstverständlich der Arzt, der informierte. Heute sind Patienten auch ohne Arzt informiert. Sie nutzen vielfältige Kanäle wie das Internet, Social Networks, recherchieren sehr genau und  kennen ihre Möglichkeiten.“ Ian Talmage kennt die Situation von beiden Seiten. Als Patient, der selbst aktiv recherchierte und sich informierte, aber auch die Seite von Ärzten, Apothekern und der Pharmaindustrie. 

Chris Isler, Global Head of Solution and Product Development, Pfizer Integrated Health, brachte es ebenso auf den Punkt: Es gibt mehr Informationen und Fachkräfte für gutes Krankheitsmanagement. Isler betonte, dass man Servicepartner werden müsse, der auf einer Augenhöhe mit dem Patienten steht und mit ihm gemeinsam daran arbeitet, dass Leben und Arbeiten mit einer chronischen Erkrankung möglich seien.

 

Andere Kommunikation

Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist heute anders.

Patienten von heute sind informiert und treffen eigene Entscheidungen. Denn, das wurde in den Vorträgen klar, die Zahl der Patienten die in den digitalen Medien nach

Forschungsergebnissen und neuen Lösungen recherchieren, engagieren sich zudem in sozialen Netzwerken wie Facebook, teilen Fragen, lesen Blogs von anderen Patienten, diskutieren in Foren oder Gruppen und erhöhen so ihren Informationsstand, den sie auch mit ihren Ärzten diskutieren und so oft auch beeindrucken.

Sie möchten die bestmögliche Entscheidung für oder gegen etwas in Sachen Erkrankung treffen. Dass sie ihre Rechte kennen und diese aktiv wahrnehmen, ist für viele selbstverständlich, so das Gremium. „Das Ziel der Gesundheitspolitik ist es, den Menschen umfassende Informationen zur Verfügung zu stellen, um eigenverantwortliche Entscheidungen zu ermöglichen. Der Patient und die Patientin müssen in die Lage versetzt werden, Behandlung und Therapie konstruktiv zu begleiten und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, sei es, um mit dem entsprechenden Wissen kritische Nachfragen zu stellen, die Auswahl eines geeigneten Krankenhauses für eine langfristig planbare Operation zu treffen oder die Handlungsmöglichkeiten beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler zu kennen“, heißt es etwa auf der entsprechenden Seite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Patienten erwarten Lösungen

Dass Patienten auch als Wissensquelle immer wichtiger werden, erklärte Dr. Alan Wade, Director & Co-founder, Patients Direct, in seiner Präsentation. Patienten stellen für ihn eine spannende Ressource in Sachen Wissen dar. Wer könnte besser über das Leben mit einer chronischen Erkrankung Bescheid wissen als der Patient selbst?

Das Wissen, das Patienten im Laufe des Lebens mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose, Rheuma, Krebs und vielen anderen sammeln, ist ein wertvolles Gut, so der Referent weiter. Wissen, das anderen Patienten helfen kann, bessere Entscheidungen zu treffen und sich noch besser mit ihrem Leben zu arrangieren. Klar wurde auch, dass Patienten  ihre Erkrankungen besser managen möchten und Verluste in Sachen Lebensqualität nicht mehr hinnehmen. Sie erwarten Lösungen, die es einfach machen, das Leben mit einer Erkrankung zu gestalten.

Aktives Wissensmanagement und der Aufbau von Datenbanken mit Patientenwissen wird ein immer wichtigerer Faktor im Bereich Gesundheitsmanagement, so Wade weiter. Doch bis heute werden nicht alle Informationen festgehalten und archiviert. Gerade das, was ein Patient im Umgang mit seiner Erkrankung erlebt, ist ein wichtiger Faktor, der zum Beispiel bei der Verbesserung von Nebenwirkungen oder bei Einnahmeschwierigkeiten helfen kann.

Therapien sicher gestalten

Solches Wissen hat Mehrwert, so Wade. Es kann die Effizienz einer Behandlung bereichern, Kosten für Zusatzbehandlungen senken, Vertrauen von Patienten generieren und sie motivieren, sich zu engagieren. Ebenso wird das Festhalten eines Patienten an seiner Therapie (auch Adherence genannt) gefördert und ermöglicht Therapien sicherer zu gestalten.

Ein positives Beispiel sind die „Speak-Up-Kampagnen“ wie die der Stiftung für Patientenrechte in der Schweiz. Patienten werden einbezogen und geben Informationen zu Behandlungen, Behandlungsfehlern oder Informationen zu Verträglichkeiten weiter. Eine Studie im Bereich der Onkologie macht dies klar.

Nutzt man das Wissen von Patienten, kann man auf Dauer nur profitieren, die Vorteile sind eindeutig. Dass dafür Wege gefunden werden müssen, ist klar. Dass diese Wege nicht immer einfach sein werden, da oft auch gesetzliche Regelungen berücksichtigt werden müssen, ist verständlich. Jedoch, so das Fazit der Runde, ist das Sammeln von Patientenwissen und dessen Berücksichtigung ein wichtiger Bestandteil zukünftiger Therapien von informierten Patienten.