Blogschau: Die OP-Tisch-Pilotin - Lernen durch die Blog-Kommentare
Körper und Seele

Die OP-Tisch-Pilotin - Lernen durch die Blog-Kommentare

Sie sind wohl das Salz in der Internet-Suppe: Die Blogs. Private Seiten von Menschen, die über sich und ihr Thema schreiben. Die auch gern mal dort diskutieren, und sich mit anderen austauschen und vernetzen. In unregelmäßigen Abständen möchten wir mit der „Blogschau“ gern einige dieser interessanten und persönlichen Blogs vorstellen.

Heute stellt sich die "OP-Tisch-Pilotin" vor; sie hat unseren Fragebogen beantwortet. Herzlichen Dank dafür!

Hallo, stellst du dich kurz vor? (Ihr könnt‘ auch gern anonym bleiben, kein Problem)

Also...^^ Ich nenne mich im Netz "OP-Tisch-Pilotin", bin im besten Halbstarkenalter - 17 Jahre. Ich überlege, ob ich irgendwann meinen Vornamen oder die Kurzform davon im Blog veröffentlichen möchte, bin mir aber noch nicht sicher. Spätere Professoren oder Chefs müssen den Blog nicht unbedingt sehen und zu einigen Stammlesern habe ich eh' einen guten Kontakt aufgebaut.

Wo finden wir dein Blog? Und wo finden wir dich im Internet noch?

Ihr findet meinen Blog unter  dieser Adresse. Ausserhalb des Blogs werde ich auch bald ab und zu mal für die Jugendzeitung "Spiesser" unter meinem Realnamen schreiben und habe als Realperson an einem Fotoprojekt teilgenommen. Ansonsten kennen mich viele innerhalb der "CED-Szene" als Realperson. (CED = Chronisch Entzündliche Darmerkrankung, Anmerkung der Redaktion) Bei Twitter findet ihr mich unter @optischpilotin

Wann und warum hast du mit dem Bloggen begonnen?

Ich fand ich es schon immer interessant, eine eigene Website zu haben, aber so richtig wusste ich nicht, wie diese aussehen sollte. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich ein wenig von der Krankheit erholt hatte und damit im mehr oder weniger normalen Leben die Reaktionen auf mich mit der Krankheit erfuhr. Das ging von geheucheltem Mitleid bis zum "Iiih, die ist krank". Und das hat mich ziemlich aufgeregt. Dazu kam noch, dass ich eh' mal die kuriosen Situationen oder nette Sprüche von den Fachkräften in der Klinik sammeln wollte. Ich hoffe, dass die Leser durch diese Erzählungen einen etwas besseren Zugang zu dieser "Welt" bekommen.

Was war schwierig beim Beginn?

Den Beginn fand ich nicht so schwierig, ich war eher überrascht, wie viel Zuspruch ich von anderen Betroffenen diesbezüglich bekam und wie schnell ich ein paar Follower und auch schon bald die ersten 1000 Aufrufe hatte. Dass ich nun etwas bekannter bin, feste Stammleser und über 100.000 Aufrufe habe, liegt auch daran, dass mich einige sehr bekannte Blogger auf ihren Blogs vorgestellt haben. Ich bin sehr, sehr dankbar dafür! :-)

Gibt es besondere Geschichten seither?

Ich glaube, die besondere Geschichte war, als ich meine jetzige Schule fand. Man kann verfolgen, wie ich von der Kranken ohne wirklich gute Schule, die mir meine Wunschzukunft ermöglicht, zur erfolgreichen bald-Oberstufenschülerin mit Stipendium wurde. (Davon schreibe ich bald mehr im Blog)

Was bedeutet dir das Bloggen heute?

Was mir das Bloggen bedeutet? Ich habe sehr nette Leute kennengelernt und spüre gerade jetzt wieder durch eine spezielle, interne Aktion für eine schwerkranke Bloggerin, dass innerhalb dieser Art virtuellen "Gemeinschaft" obwohl man sich nicht im realen Leben kennt, ein gewisser Zusammenhalt und eine Art Freundschaft besteht. Und das bedeutet mir sehr viel. :-)

Was nervt?

Mich nervt gar nichts. Ich habe durchweg positive Erfahrungen gemacht. Und auch negative Kommentare haben, wenn ich überhaupt mal einen bekomme, einen Grund. In meinem Post, der von der Scham vieler Stomaträger, sich zu zeigen, handelt, habe ich mich negativ über Menschen mit Essstörungen geäußert. Darauf kamen "negative" Kommentare. Die Kommentatoren haben Recht. Diese Menschen sind genauso krank wie ein Stomaträger und können nichts dafür. Sie haben sich das nicht ausgesucht. Was ich sagen möchte: Diese Kommentare haben meine Denkweise beeinflusst und mich zum Recherchieren über die Krankheiten angeregt. Im Grunde genau das, was ich mit meinem Blog bzgl. der CED erreichen möchte. Ich denke nun anders darüber und möchte mich für die kritischen Kommentare und Mails bedanken!

Was wünscht du dir für das Internet?

Für das Internet? Gute Frage. Dass die Überwachung von Geheimdiensten zumindest bei normalen Privatpersonen aufhört.

Und sonst? (Platz für Grüße und Küsse….)

Küssen find' ich eklig. :-D Ich grüße jetzt einfach mal meine Leser, meine Docs, die blauen Kaffeejunkies, meine Familie, meine Lehrer, meine Freunde, "das Notarzt-gröhlende Schantallchen" und den kleinen, putzigen Hund der Nachbarn. :-P