Tinnitracks - Musik gegen Tinnitus
Gesundheit

Tinnitracks - Musik gegen Tinnitus

Ein dauerndes Pfeifen im Ohr kann das Leben zur Qual machen. Jetzt gibt es Grund zur Hoffnung für Betroffene: Eine neuartige Therapie, die speziell aufbereitete Musik benutzt, um die Hörzellen des Gehirns zu beeinflussen und so den Tinnitus zu bessern.

Was ist Tinnitracks?

Geschäftsführer Jörg Land erklärt es gern: „Mit Tinnitracks können Patienten die eigene Musik individuell zur Therapie von Tinnitus aufbereiten. Auf der Grundlage aktueller neurowissenschaftlicher Erkenntnisse haben wir ein Computerprogramm entwickelt, mit dessen Hilfe sich ein beliebiges Musikstück so verändern lässt, dass es danach zur Behandlung von Tinnitus einsetzbar ist“.  Dazu braucht niemand ein Computerprogramm herunterzuladen. Was zu tun ist:  Die  persönliche Lieblingsmusik auf der Tinnitracks-Seite hochladen. Die Bedienung des Programms ist leicht verständlich und erfolgt vollständig im Internet.

Für die Entwicklung hat das junge Unternehmen aus  Hamburg schon einige Preise und Anerkennungen eingeheimst. Jörg Land kommt gerade von dem Kongress der Hörgeräteakustiker, auch von Verbänden gibt es schon Anfragen. So viel Anerkennung strengt auch an, wie er zugibt. „Wir sind noch ein sehr junges Unternehmen. Da müssen wir uns immer auf die richtigen Schritte konzentrieren“, erzählt er. Dennoch sind er und sein Team begeistert von dem Zuspruch, den sie gerade in den letzten Monaten  erfahren.

Warum wirkt Tinnitracks?

Patienten mit subjektivem Tinnitus hören etwas, obwohl es nichts zu hören gibt. Die Ursache dafür liegt nicht so sehr im Ohr, sondern vielmehr im Gehirn. Bei einem Tinnitus ist ein Teil der Hörzellen im Gehirn aus dem Gleichgewicht gekommen: Diese Zellen sind überaktiv und produzieren so eine trügerische Geräuschwahrnehmung. Wie aktuelle Forschungen zeigen, kann durch gezieltes Training die Überaktivität der Hörzellen deutlich besänftigt werden.

Dabei macht man sich die natürliche Struktur unseres Zellennetzes zunutze: Die Nervenzellen unseres Gehirns stehen ständig miteinander in Verbindung und beeinflussen sich gegenseitig:  Wird Zelle A stärker gereizt als Zelle B neben ihr, verstärkt Zelle A die unterschiedliche Reizstärke noch dadurch, dass sie der Nachbarzelle B ein beruhigendes Signal senden und deren Reizzustand dadurch abschwächt. Der Fachmann spricht hier von der „lateralen Hemmung“. Dadurch erhöhen die Nervenzellen den Kontrast zwischen den einzelnen Signalen, damit das Gehirn wichtige Signale besser von unwichtigen unterscheiden kann. Bei der lateralen Hemmung führt also die Aktivität einer Zelle zur Beruhigung einer anderen. An genau diesem Punkt setzt die Wirkung der Therapie mit Tinnitracks an.

Wie funktioniert das Programm?

Das Tinnitracks Computerprogramm erlaubt es, aus Musikstücken ganz gezielt einen bestimmten Teil der Töne herauszufiltern. Dabei werden genau die Töne entfernt, die im Frequenzbereich des zu behandelten Tinnitus-Geräusches liegen. Das gefilterte Musikstück kann dann abgespeichert, auf einen MP3-Player übertragen und dort abgespielt werden.  Hört der Tinnitus-Patient das gefilterte Musikstück an, wird der Teil der Hörzellen des Gehirns aktiviert, der vom Tinnitus nicht betroffen ist. Die Hörzellen, die im Frequenzbereich des Tinnitus-Geräusches liegen, werden beruhigt. Wird das Musiktraining genügend oft wiederholt (in den einschlägigen Studien „trainierten“ die Patienten über sechs Monate hinweg 1  bis 2 Stunden pro Tag), kann der Aktivitätsgrad der Hörzellen gemildert und der Tinnitus dadurch nachhaltig gebessert werden.

Die Tinnitracks-Ingenieure haben zu diesem Zweck eine Technologie entwickelt, die auch das Therapiepotential der einzelnen Lieder individuell prüft, das gängige MP3-Format nutzbar macht und etwa auf die Kopfhörer der Marke Sennheiser eingestellt werden kann.

Entwickler Adrian Nötzel dazu: „Bei der Automatisierung der tontechnischen Vorgänge mussten wir sicherstellen, dass die genutzten Musikdateien auch den Therapieanforderungen entsprechen.“

Für wen ist Tinnitracks geeignet?

An Patienten mit subjektivem, chronischem, tonalem  Tinnitus ist die Wirksamkeit des  Tinnitracks-Musiktrainings in Studien untersucht worden. Behandlungserfolge wurden bei Patienten mit dem folgenden Profil erreicht:  

  • Alter von 18 bis 60 Jahre

  • Frequenz des Tinnitus nicht höher als 8000 Hertz (8kHz)

  • Schwerhörigkeit nicht ausgeprägter als 35 dB HL

Was benötigt der Patient für die Therapie mit Tinnitracks?

Neben dem persönlichen Zugang, den man auf der Internet-Seite von Tinnitracks bei der Anmeldung erhält, wird die genaue Tinnitus-Frequenz benötigt. Der HNO-Arzt oder Hörgeräteakustiker kann diese Frequenz  messen. Zudem benötigt man den Wunschtitel als MP3-Format. Grundsätzlich kann jedes Musikstück genutzt werden, das entsprechende Therapiepotenzial wird durch Tinnitracks ermittelt. Um dann die persönliche Therapie-Musik anzuhören, ist wieder ein MP3-fähiges  Abspielgerät mit Kopfhörern erforderlich.