Körper und Seele

Nur eine Pille reicht nicht! Wo Patienten Unterstützung finden können

„Patienten müssen ins Zentrum einer Therapie rücken und nachhaltig unterstützt werden. Das ist der Schlüssel für nachhaltige medizinische Versorgung. Es handelt sich um Menschen, die autonom entscheiden und individuelle Personen sind“, so eine der Aussagen auf der Value Added Conference in London.

Die Diskussion drehte sich um Unterstützungsmöglichkeiten für Patienten, während Therapien oder auch bei Problemen im Leben an sich. Nicht selten kommt es vor, dass mit Erkrankungen auch Schwierigkeiten im Berufsleben oder im privaten Leben einhergehen. Klar ist, wenn Patienten gut unterstützt werden, lernen sie, sich selbst zu helfen, werden aktiver, sind motivierter und wagen auch neue Schritte. Patienten können lernen, Fragen zu formulieren, in Therapien mitzureden und selbst bestimmter entscheiden.

Wir zeigen an dieser Stelle beispielhaft einige Unterstützungsmöglichkeiten auf:

Das Paket von möglichen Unterstützungsleistungen beginnt bereits bei Diagnosestellung: Sehr häufig befindet sich der Patient in einem Chaos aus Gefühlen, Unwissenheit und Unsicherheit. Er wird mit Informationen versorgt, deren größter Fehler oft aus der Fülle und einer komplizierten und unverständlichen Sprache besteht.

Eine erste Hilfemöglichkeit hier: washabich.de. Die Übersetzung von medizinischen Befunden in eine dem Patienten verständliche Sprache.

Weiteres Beispiel: Verständliche Beipackzettel. Eine spannende Initiative hierzulande ist die des vfa – Verband forschender Arzneimittelhersteller. In dieser Initiative geht es darum, Beipackzettel mit Hilfe von Patienten verständlich zu formulieren und zu gestalten.

Patientensprecher und Fallmanagement

Fachberater wie Ärzte, Ansprechpartner von Krankenkassen, Patientenorganisationen, Therapeuten und Pflegekräfte, sowie die bereits in vielen deutschen Kliniken eingesetzten Patientensprecher oder Case-Manager können helfen, die eingehenden Informationen aus den zu sortieren und einzuschätzen. In Deutschland ist eine Anlaufstelle dafür die „Unabhängige Patientenberatung Deutschland“.

Hat der Patient Probleme im Beruf, kann ein individuell abgestimmtes Fallmanagement, auch Case Management genannt, helfen. In vielen Patientenorganisationen gibt es bereits Beratungsdienste. Sie setzen sich mit dem Arbeitgeber und dem Patienten an einen Tisch und versuchen gute Lösungen zu finden. Integrationsfachdienste der Bundesländer könnten hier ebenfalls ein unterstützendes Medium sein.  

Eine weitere große Rolle spielen die Erfahrungswerte von anderen Patienten. Sie können unterstützen und fördern. Patienten hören auf Patienten. Eine Studie von Nielsen besagt, dass 90 Prozent aller Konsumenten auf den Rat anderer Konsumenten hören. Mund-zu-Mund-Propaganda ist hier der tragende Begriff.

Es ist für die medizinische Seite einer Erkrankung wichtig, mögliche Vorurteile abzubauen und erfahrene Patienten als Wissensquelle einzubeziehen. Sie wissen in den meisten Fällen am allerbesten, wie man mit einer Erkrankung leben kann und kennen den einen oder anderen guten Trick.

Selbsthilfegruppen, Foren und Google

Die digitalen Medien wie soziale Netzwerke oder auch Foren werden immer häufiger genutzt. „Es werden mehr und mehr Patienten ihre Informationen durch Plattformen wie Twitter oder Facebook, aber auch durch Suchmaschinen wie Google beziehen“, so eine Stimme aus London. Auch Selbsthilfegruppen finden sich immer häufiger im Netz. Wer Selbsthilfegruppen in Deutschland sucht, kann sich zum Beispiel an Nakos wenden.

Die Einbindung von moderner Technik spielt für Patienten, neben der Nutzung von „herkömmlichen“ Medien wie Zeitungen, TV oder Radio, ebenso eine immer größere Rolle. Rund 70 Prozent der Weltbevölkerung verfügen über ein Mobiltelefon, über das jederzeit und überall Nachrichten empfangen werden können. Mit Applikationen für Smartphones, SMS-Nachrichten oder auch regelmäßigen E-Mail-Diensten ist es möglich, Patienten zu erinnern oder auf etwas hinzuweisen.

Last, but not least ist das Angebot von Programmen rund um die Therapie wichtig. Kurse, Vorträge oder Treffen helfen Patienten, sich zu informieren und neue Ideen fürs Leben mitzunehmen. Auch das Bildungsangebot ist ein wichtiger Faktor. Die „European Patients Academy on therapeutic Innovations“ (Eupati) ist ein Projekt, das in Zukunft dafür sorgen soll, Patienten in europäischen Ländern mit verschiedenen Kursen und Informationen weiter zu bilden.

Die Diskussion in London endet mit einer spannenden Feststellung:

Eine Therapie zu verstehen heißt, die Krankheit in allen Facetten zu verstehen. Die Krankheit zu verstehen heißt, den Patienten und seine Bedürfnisse zu verstehen.