Gesundheit

Wer bewertet die?

Seit fast sechs Monaten lebe ich in der Stadt. Die ganze Zeit gesund. Jetzt zwackt es, ich muss mal zum Arzt gehen. Doch welchen Arzt soll ich nehmen? Die Kollegen will ich nicht fragen, die Nachbarn auch nicht. Ich kann das Internet fragen, ein Ärzte-Bewertungs-Portal. Aber welches? Immerhin gibt es fast zehn, die sich über die Suche anbieten. Und wie erkenne ich, ob es hier mit rechten Dingen zugeht? Wer bewertet eigentlich die Bewertungs-Portale? Auch darauf gibt es eine Antwort.

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, hat die Bewertungsportale schon vor Jahren unter die genaue Lupe genommen. Und macht es immer wieder.  Es gibt einen genauen Anforderungskatalog für die Bewertungsportale, mittlerweile auch für die Zahnarztbewertungsportale und für die Psychotherapeutenbewertungsportale.

„Zur Zeit ist der Markt der Bewertungsportale eher ein wenig ruhiger“, sagt Dr. Sabine Schwarz vom  ÄZQ, das seinen Sitz in Berlin hat. Das war vor einigen Jahren ganz anders, als sich immer mehr Portale auf den Markt drängten. Der Aufregung bei den Medien war groß, bei den Medizinern auch.  Grund für das ÄZQ, sich um das sensible Thema zu kümmern.

Drei wichtige Punkte...

Nach ihrer Auskunft sind es drei wichtige Punkte, die im Vordergrund stehen sollten:  Sind die Bewertungen ehrlich? Sind genügend Bewertungen für eine aussagekräftige Arzt-Bewertung vorhanden? Wie sieht die Finanzierung des Portals aus? „Das sollten sich auch die Nutzer bei ihrer Auswahl fragen“, sagt Dr. Sabine Schwarz.

Nach der Erarbeitung des ÄZQ in den letzten Jahren sollten auch weitere Qualitätskriterien erfüllt sein: Impressum, Datenschutzerklärungen, Trennung von Werbung und Inhalt, redaktionelle Prüfungen in Freitextfeldern, Widerspruchsmöglichkeit der Mediziner, Schutz gegen Täuschungsmanöver und Schmähkritik, und weitere mehr.

Nach den Informationen von Dr. Sabine Schwarz stehen mittlerweile viele Ärzte den Bewertungen offener  gegenüber.  Auch die Patienten seien heute wesentlich besser informiert als noch vor vielen Jahren. Jüngere Generationen nutzen die Portale selbstverständlich. „Von den Bewertungsportalen wird aber wenig Gebrauch gemacht“, weiß sie aus den Erfahrungen der letzten Jahre.  Die Qualität einer Bewertung steigt mit der Anzahl, gleichgültig, ob die Meinungsäußerung positiv oder negativ ist.

Hoffen auf Qualität

„Vielleicht nimmt die Nutzung noch einmal zu, wenn es auch weitere Angebote auf diesen Portalen gibt, etwa eine Terminvereinbarung mit dem Arzt“, sagt. Dr. Sabine Schwarz. Ob die zunehmende Nutzung von Smartphones auch noch Einfluss auf die Bewertungsportale nimmt, ist sie sich nicht sicher. Es gebe dazu keine verlässlichen Zahlen. Die Zahl der Arzt-Bewertungsportale selbst bleibt derzeit konstant. „Vermutlich findet demnächst eine Konsolidierung auf dem Markt statt“, so Dr. Schwarz. „Und wir hoffen, dass sich dabei die Qualität durchsetzt.“

„Sehr oft werden Ärzte noch im Freundes- oder Bekanntenkreis gesucht“, erklärt sie. Wenn auch das Internet für die Information geeignet sei. Dennoch sei es für viele Nutzer schwierig, die Flut der Informationen im Netz zu bewerten. „Wir verzeichnen daher auch eine rege Nachfrage nach Papier und Buch“, berichtet sie.

Die Qualitätsanforderungen für Arztbewertungsportale kann man hier herunter laden.