Mittwochs ist TweetChat.... und dann Blutzucker-Bingo!
Körper und Seele

Mittwochs ist TweetChat.... und dann Blutzucker-Bingo!

An einem Mittwoch-Abend stolpere ich in unserer DocMorris-Twitter-Timeline über den Hashtag #dedoc*. Ich klinke mich mal ein, lese mit, und erlebe, wie begeisterte Twitterer einen TweetChat führen. Gemeinsamer Nenner, übrigens, bei allen: Sie sind Diabetiker. Der TweetChat findet jede Woche immer mittwochs um 21 Uhr statt. Er dauert etwa eine Stunde. Großer Spaß am Ende: Blutzucker-Bingo. Alle Teilnehmer messen ihre Werte und werfen ihn in die Runde.

Ich frage mich, wer der Initiator ist, recherchiere kurz, und ich finde Bastian Hauck. Als wir einige Tage später telefonieren, höre ich im Hintergrund Messegeräusche. Bastian Hauck ist auf der boot in Düsseldorf, eine der größten europäischen Messen für Wassersport.

„Der Austausch über  Twitter ist mittlerweile international. Neben dem Projekt #dedoc gibt es das auch in fast allen anderen europäischen Ländern“, erzählt Hauck. Das gerade in Deutschland begonnene Projekt #dedoc (Deutsche Diabetes Online Community) macht ihm schon jetzt Spaß. Das Ziel: Sich gegenseitig vernetzen, sich austauschen. „Hier entstehen ganz schnell persönliche Kontakte“, kann er nach wenigen Wochen berichten. Hauck beschreibt sich selbst als Netzwerker, im Internet ist „…es nur viel schneller und direkter als noch vor einigen Jahren“.  Zu #dedoch gibt es auch eine facebook-Seite. Hauck weiß auch, das nach seiner Meinung insbesondere Patientenverbände hier noch zulegen müssen.

Leben mit Diabetes

Warum macht er das? Bastian Hauck ist selbst Diabetiker, Typ 1. Und hat schon eine recht beeindruckende Vita. Der studierte Wirtschafts- und Nahost-Wissenschaftler arbeitet nach seiner Ausbildung in Projekten für das Auswärtige Amt und die OECD.  Zwischenzeitlich wird seine Diabetes festgestellt. Als er schließlich entscheidet, einige Monate zu Segeln, beginnt eine aufregende Zeit. „Daraus wurden dann drei Jahre“, erzählt er lachend. Um, nebenbei, auch mal ein Schiff von Neuseeland nach Europa zu überführen. Er hat dazu gebloggt. Er hat darüber ein Buch geschrieben, einen Film produziert. Mit viel Erfolg. Und führt heute ein ganz anderes Leben.

Auf der Boot in Düsseldorf ist er als Werfteigner, der mittlerweile Schiffe nicht nur restauriert, sondern auch neue Schiffe baut. „Wir haben wohl schon fünf verkauft“, berichtet er strahlend am Telefon. Kurz zuvor war er noch in Las Vegas auf der Elektronikmesse CES, von der Boot ging es dann weiter zur DiaTec nach Berlin. Hauck berät Pharmaunternehmen, aber auch Verbände und Interessengruppen. Er schiebt an. Und möchte eins nicht sein: „Vorzeige-Diabetiker“.  Ihm ist der Austausch wichtig, und zeigt dazu gern mal auf andere Länder. „In Dänemark sind mehr als 30 Prozent der Diabetes-Patienten in irgendeiner Form organisiert. Hier in Deutschland ist da noch viel Luft nach oben.“

PS*: Für alle, die nicht wissen, was ein #Hashtag ist, einfach mal hier bei Wikipedia zum Thema nachschauen.