Körper und Seele

Der Dialog auf den sozialen Netzwerken

„Ja, ich bin mit meinem Blog auch auf Facebook und Twitter vertreten, da mittlerweile kaum jemand dort nicht mehr zu finden ist. Auf Facebook hat sich beispielsweise auch durch viele Diabetiker-Gruppen eine Community entwickelt. In diesen Gruppen tauscht man sich aus, erhält rund um die Uhr Antwort auf ein "Problem", schreibt eine Twitter-und Facebook-Nutzerin auf meine Frage, wie sie es mit den sozialen Netzwerken hält.

Alles mittlerweile normal: Auf Facebook und Twitter und anderen sogenannten sozialen Netzwerken finden sich sehr schnell Gleichgesinnte, etwa auch, wenn es um  die eigene Krankheit geht.

Dialog mit jungen Menschen

Gesundheit ist eines, wenn nicht gar das höchste Gut eines jeden Lesers und Nutzers von Informationen, deswegen ist Auswahl, Kontrolle und Qualität der Beiträge wichtig. Wir haben uns daher die Frage gestellt, wie  die größeren Patientenverbände es mit den sozialen Netzwerken halten, um dort den Dialog mit Mitgliedern und Interessenten aufzunehmen.

„Die Resonanz unserer Aktivität auf Facebook ist sehr gut“, heißt es seitens der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) „Wir erreichen insbesondere dort Altersstufen, die wir sonst nicht so leicht treffen“. Dies bestätigt auch Stefanie Blockus vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB): „Wir veröffentlichen etwa auch Veranstaltungen und Termine für Freizeiten auf Facebook“, erläutert sie, „und wir erreichen hier insbesondere die jüngeren Menschen.“.

Auch die Deutsche Krebshilfe engagiert sich mit Angeboten im Internet, weniger allerdings in sozialen Netzwerken, mit einer Ausnahme:  „Wir bedienen einen eigenen Kanal auf Youtube“, schreibt Christiana Tschoepe von der Krebshilfe.

Aufwändige Kontrolle der Seiten

Was sich zunächst so leicht anhört, ist es insbesondere für die Patientenverbände aber nicht unbedingt. „Die Kontrolle der Seiten ist aufwändig“, weiß die DMSG. Ein Grund auch, dass der Bundesverband derzeit keine weiteren Auftritte in anderen sozialen Netzwerken plant, dafür gebe es aktuell keine Kapazitäten. Auch dies bestätigt Stefanie Blockus: „Mit Facebook und Twitter sind wir gut ausgelastet, da nur eine Halbtags-Kraft für Öffentlichkeitsarbeit finanziert werden kann, die sich nur nebensächlich (ungefähr ein-zwei Wochenstunden höchstens) um die Aktualisierung der Seite auf Facebook (Twitter geht etwas unter) und "Moderation" der Gruppe kümmern kann.“ 

„Wir sehen in Social Media eine gute Chance rheumakranke Menschen zu erreichen, die sonst keine Affinität zu Verbänden haben. Wir sind mit Filmen auf Youtube und die jungen Rheumatiker haben einen Facebook-Auftritt. Aktuell starten wir mit einem Drei-Jahres-Projekt, um weitere Schritte zu unternehmen. Dabei wollen wir engagierte Ehrenamtler einbeziehen. Mit Unterstützung der Aktion Mensch wurde hierfür eine neue Stelle geschaffen“, schreibt  Susanne Walia, Pressereferentin  des Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.. Um auch zu konstatieren, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit für die Patientenverbände in den letzten Jahren sehr geändert hat. Sie begründet dies mit einer Reizüberflutung nicht nur für die Journalisten der Medien, sondern auch bei betroffenen Zielgruppen, bis hin zur Verunsicherung.

"Kein Ersatz für persönlichen Kontakt"

Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke sehen alle gleichsam. „Während die eine Quelle eine Information streut, streut die nächste eine völlig andere. Das kann vor allem im "Gesundheitsbereich" sehr problematisch enden. Es wird immer schwieriger fachkompetente Internetseiten zu finden. Man weiß nicht wem man noch glauben kann, wem nicht“, so Stefanie Blockus vom Deutschen Diabetiker Bund. Auch die DMSG formuliert deutlich: „Es ist möglich, positive Impulse zu setzen. Aber die Aktivität in den sozialen Netzwerken ersetzt keinen persönlichen Kontakt“.  Christiana Tschoepe von der Deutschen Krebshilfe dazu: „Bestimmte Zielgruppen können schneller und direkter erreicht werden. Kritisch sind allerdings mögliche Diskussionen ohne Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte und Datenschutz“.