Körper und Seele

Da sind sie: Die Senioren im Internet

Die Statistik ist deutlich: Immer mehr Menschen im Alter von mehr als 60 Jahren entdecken das Internet.  Dort wo sich allein in Deutschland schon mehr als 54 Millionen Menschen tummeln. Ziemlich genau 20 Jahre nach der ersten Veröffentlichung eines „Web-Browsers“, also einem Programm für den Computer zur Darstellung von Nachrichten und Bildern.

Und nun? Wie finden sich die „Senioren“ im Netz zurecht? Was suchen die da eigentlich? Und wer fehlt dabei noch?

„Wir sehen im Moment zwei verschiedene Lager“, erklärt Dr. Barbara Keck von der Bundesgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO).  „Das sind die, die schon im Internet unterwegs sind, und jene, die  das Netz nicht nutzen. Die das zuweilen auch nicht wollen“.  Nach der Aussage der vorliegenden Statistiken nehmen mit Zunahme des Alters auch die Teilnehmer im Netz immer mehr ab. Während mehr als 60 Prozent der 60-jährigen im Internet vertreten sind, sind es bei den Menschen mit mehr als 70 Lebensjahren nur noch etwa 25 Prozent.

„Das Ziel der Bundesregierung ist es, dass alle die Chancen des Internets kennenlernen und Internetnutzung keine Frage des Alters ist", so Dr. Barbara Keck. Jeder könne dann selbst entscheiden, welchen persönlichen Nutzen und Gewinn er daraus erzielen kann. Der Schulungsbedarf  sei dafür immens, der Bedarf danach sehr groß.  „Unsere Verbände und andere Organisationen bieten hier schon viele Möglichkeiten, die noch weiter ausgebaut werden müssen “, weiß die Geschäftsführerin zu berichten.

Angebot Internet-Woche

Erneut wird die BAGSO vom 29. Oktober bis 4. November in diesem Jahr eine „Internet-Woche“ in Deutschland anbieten, bei der bundesweit durch die 110 Partner innerhalb der Organisation Veranstaltungen initiiert werden.  Dabei geht es  darum, das Netz kennen lernen zu können, etwa auch die sozialen Netzwerke, und es gewinnbringend für sich nutzen zu können.

„Alles das, was andere dort auch wollen“, sagt Friedlies Reschke auf die Frage, was Senioren im Netz suchen.  Sie hat sich seit Jahren auf das Thema Senioren im Internet spezialisiert und dazu ein Netzwerk von Beraternsenio aufgebaut. „Es nimmt allmählich zu, das auf die Bedürfnisse von „erfahrenen Konsumenten“ mehr Wert gelegt wird“, berichtet sie.  Allerdings wäre es schon gut, wenn wesentlich mehr Anbieter von Internetseiten über das Thema Barrierefreiheit nachdenken. „Etwas größere Schrift, nicht ganz so viele verwirrende Bilder, selbsterklärende Bestellprozesse“ nennt sie als einige Beispiele.

Das Leben im Internet erweitern

Thomas Bily sieht es nicht so technisch. Er ist Vorstand eines Unternehmens, das im September die Internet-Plattform „Seniorbook“ auf den Markt gebracht hat. „Wir wollen ein Netzwerk anbieten“, berichtet er. „Und grundsätzlich geht es um Menschen, die aufgrund ihres Alters einfach mehr Erfahrung vorweisen können“. Das Bild der Senioren in der Gesellschaft sieht er wie Friedlies Reschke zwiespältig. „Senior-Manager zu werden geht keinem schnell genug, beim Senior werden sieht das schon etwas anders aus“.

Das Angebot von Seniorbook sieht Bily nicht als Konkurrenz zu etwa anderen großen Plattformen. „Uns geht es am meisten um die Inhalte“, beschreibt der Kommunikationsvorstand. Die Nutzer können das eigene Leben im Internet erweitern. Etwa mit den Themen, die sie ohnehin schon viele Jahre beschäftigt haben. „Wir bieten einfach eine Ebene, auf der man sich austauschen kann“, so Bily. Was nach seinen Worten wiederum sehr gut ankommt. „Macht schon Spaß, wenn man rührende Komplimente dafür bekommt“, lässt er uns auch wissen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Menschen gemacht, die vielleicht noch nicht die Möglichkeit haben, das Internet in irgendeiner Form für sich zu nutzen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.