HIV-Test: Sind junge Menschen verantwortungsvoller?
Körper und Seele

HIV-Test: Sind junge Menschen verantwortungsvoller?

Montagmorgen, 9.07 Uhr. Der schon bekannte Weg zum Gesundheitsamt. Heute erfahre ich das Testergebnis. Keine Wartezeit, ich klopfe kurz an, die Ärztin ist da. Ich kann mich setzen, während sie nach dem Ergebnis aus dem Labor sucht. Ganz ehrlich: Aufgeregt bin ich nicht. Sie vergleicht präzise die Codierung, zeigt mir das Ergebnis auf einer DIN A4-Seite, die das Labor übermittelt hat.

Kein HIV.

Ich hatte nichts anderes erwartet.

Wenige Tage vorher: Ein wenig mulmig ist mir schon. Andererseits: Mein Leben in den letzten Jahren war alles andere als aufregend, eher sehr überschaubar. Die Suche nach der anonymen Testmöglichkeit im Internet geht schnell: Das Gesundheitsamt der Städteregion Aachen bietet HIV-Tests an. Anonym soll es sein, damit sich jeder trauen kann, hier einen Test zu machen. Was beim Empfang schon mal funktioniert. Der nette Mann an der Rezeption des Gesundheitsamtes will wahrlich keinen Namen wissen; er weist mich in die richtige Richtung.

Zweiter Stock. Die Flure sind so funktional lieblos, dass es fast schon wieder faszinierend ist. Dann hat es sich aber doch mit der absoluten Anonymität. Die Schilder und wenigen Plakate sind eindeutig: Hier geht es um HIV und Aids. Und dann wissen wohl auch die anderen, die hier gerade auf eine Schulung warten, warum ich hier bin. „Hier ist jemand für einen Test?“, fragt die zuständige Ärztin in die Runde.

Aber auch sie will keinen Namen wissen. „Haben Sie einen Grund für den Test?“, fragt sie in dem Behördensprechzimmer.  Sie ist freundlich und nett. Alles andere um sie herum ist  typisch Verwaltung, sogar die wenigen Topfpflanzen. Auf der rechte Seite des Raumes eine medizinische Liege. „Ja, es geht um eine Partnerschaft“, entgegne ich nur. Mehr will sie nicht wissen, erklärt dann nur noch die Prozedur. Und die ist wiederum denkbar einfach. Eine anonymisierte Blutprobe wird in einem Labor auf HIV untersucht. Das Ergebnis kann ich in einigen Tagen erfragen, es wird mündlich mitgeteilt. Die Anonymität bleibt somit gewahrt.

Es wird ernst: Blutentnahme für den HIV-Test

Was sie mir noch erklärt: Der Test kann nur das erfassen, was mehr als drei Monate zurück liegt. Aufgrund der langsamen Entwicklung des HIV-Erregers muss also, sollte es einen akuten Grund für den HIV-Test geben, eine Wiederholung erfolgen. Oder man muss drei Monate warten.

Dann wird es ernst, Blutentnahme. Auf meine Venen ist wie immer Verlass. Sie sticht, es läuft, Tupfer drauf, fertig.

Lustig ist die Chiffrierung. Einen Code hat die Kanüle schon, die individuelle Chiffrierung kommt oben drauf: Der dritte Buchstaben des Nachnamens, Gesamtzahl der Buchstaben des Nachnamens, dritter Buchstabe des Vornamens, Gesamtzahl der Buchstaben. Intellektuell war das mal die größte Herausforderung des Tests, weil ich noch nie (!) die Zahl der Buchstaben zählen musste. Freiwillige Ergänzung: Ich gebe für die Statistik noch den Monat und das Jahr meiner Geburt an: Mai, 1963.

Immer mehr Menschen lassen sich testen

Nach dem erwarteten Ergebnis lüfte ich der Ärztin gegenüber meine Anonymität, weil ich noch einige Fragen habe. Sie bestätigt etwa, was auch mir schon aufgefallen ist: „Viele jüngere Menschen zwischen 20 und 30 Jahren gehen viel verantwortungsvoller damit um“, erklärt sie. „Sie lassen sich selbstverständlich testen.“ Ab einem Alter von 40 Jahren wird es ihrer Erfahrung zufolge für viele Menschen schon schwieriger, sich auf HIV testen zu lassen.

Dass sich die Zahlen verbessert haben, bestätigt mir auf Nachfrage auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln.  Seit Beginn der Studie „AIDS im öffentlichen Bewusstsein“ wird auch nach der Anwendung des HIV-Antikörpertests gefragt. Der Anteil derjenigen, die sich schon einmal oder mehrmals haben testen lassen, stieg von 1987 bis 1995 kontinuierlich an: in der 16- bis 65-jährigen Allgemeinbevölkerung von 4  auf 28 Prozent bei den Frauen und von 8  auf 25 Prozent bei den Männern.

Bis 2005 erfolgte mit Schwankungen ein langsamerer Anstieg der HIV-Testwahrnehmung in der Allgemeinbevölkerung auf 35 Prozent bei den Männern und 37 Prozent bei den Frauen. Seitdem hat sich die Testwahrnehmung bei den Frauen deutlich weiterentwickelt und lag im Jahr 2011 bei 45 Prozent (Männer: 37 Prozent).

Bei der unter 45-jährigen Allgemeinbevölkerung hat sich die Anwendung des HIV-Antikörpertests insbesondere bei den Frauen stark erhöht, die in einer Partnerschaft leben. In festen Partnerschaften ließen sich 1987 drei Prozent der Frauen auf HIV testen; im Jahr 1997 waren es bereits 40 Prozent. Seitdem stiegen die Anteile schnell weiter, auf 60 Prozent in den Jahren 2010 und 2011. Dieser Anstieg ist wahrscheinlich zu einem großen Teil auf die Wahrnehmung von HIV-Tests in der Schwangerschaft zurückzuführen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Jetzt Sie: Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Jahren mit dem Thema HIV-Test gemacht? Lassen Sie sich regelmäßig testen? Wie reagieren Sie, oder haben reagiert, wenn Ihr/e neue Partner/in von Ihnen einen Test möchte? Was fällt Ihnen weiterhin zu diesem Thema ein?