Blogschau: Aus persönlicher Sicht über Autismus aufklären
Körper und Seele

Aus persönlicher Sicht über Autismus aufklären

Sie sind wohl das Salz in der Internet-Suppe: Die Blogs. Private Seiten von Menschen, die über sich und ihr Thema schreiben. Die auch gern mal dort diskutieren, und sich mit anderen austauschen und vernetzen. In unregelmäßigen Abständen möchten wir mit der „Blogschau“ gern einige dieser interessanten und persönlichen Blogs vorstellen.

Heute stellt sich Katrin vor; sie hat unseren Fragebogen beantwortet. Herzlichen Dank dafür!

Hallo, stellst du dich kurz vor? (Ihr könnt‘ auch gern anonym bleiben, kein Problem)

Hallo. Ich blogge unter dem Nick Autzeit und bin eine 27jährige Autistin. Meine relativ neue Heimat ist der hohe Norden, dort lebe und arbeite ich als Redakteurin.

Wo finden wir dein Blog? Und wo finden wir dich im Internet noch?

Mein Blog findet sich unter www.autzeit.wordpress.com. Außerdem bin ich bei Twitter unter @Autzeit zu finden. Facebook nutze ich zwar auch, dass dann aber eher im Familienkreis.

Wann und warum hast du mit dem Bloggen begonnen?

Begonnen habe ich mit dem Bloggen, nachdem ich die endgültige Diagnose Autismus erhielt. Bereits im Vorfeld war das Thema zwar immer mal wieder aufgekommen, aber ich hatte mich nie wirklich damit auseinander gesetzt. Nach meinen Besuchen in der Spezial-Ambulanz und der langen Zeit der Abklärung gab es für mich viele Dinge, die mich dann sehr beschäftigt haben – Geschehnisse aus der Vergangenheit, Dinge aus der Gegenwart, aber auch Zukunftsfragen. Mein Blog war eher ein privates Tagebuch, durchaus zur Selbstreflexion gedacht. Dann kamen aber immer mehr Leser, die großes Interesse zeigte und so merkte ich, dass ich mit meiner durchaus persönlichen Sicht auch ein Stück über Autismus aufklären kann – und das fern der hochtrabenden Wissenschaftsbücher.

Was war schwierig beim Beginn?

Am Anfang gab es für mich keine Schwierigkeiten, weil ich das Blog ja eher unbekannt im Netz stehen hatte. Schwierig wurde es, als immer mehr Leser kamen. Da musste ich mir die Frage stellen, was ich will und wie ich mit den Lesern interagieren kann. Und natürlich musste ich mich entscheiden, ob ich dann weiterhin öffentlich blogge und dranbleibe oder ob ich mich ganz aus der Blog-Welt zurückziehe. Ich habe mich dann für Ersteres entschieden :)

Gibt es besondere Geschichten seither?

Unzählige! Zum einen natürlich typische Geschichten über Eigendynamiken, die sich in der Netz-Community entwickeln können. Und zum anderen habe ich auch sehr viele tolle und nette Menschen kennengelernt – einen Teil sogar persönlich. Das hat mich besonders gefreut, denn gerade direkte Kontakte fallen mir ja recht schwer.

Was bedeutet dir das Bloggen heute?

Es macht mir großen Spaß, auch wenn ich nicht so regelmäßig bloggen kann, wie ich es gerne täte. Gleichzeitig gibt es mir die Möglichkeit, Geschehnisse einfach mal in Ruhe zu durchdenken, zu strukturieren, zu analysieren. Wenn dann noch Input von Lesern kommt, entstehen manchmal ganz neue Sachen. Und natürlich ist es mir ein Anliegen, auch gegen diese Autisten-Klischees in den Köpfen mancher Menschen anzuschreiben. So schnell werde ich also auch nicht mehr mit dem Bloggen aufhören.

Was nervt?

Eigentlich nichts. Ich habe mal einen anonymen Brief bekommen, das war schon etwas gruselig. Und manche Kommentatoren nutzen solche Blogs dann auch mal, um Hasstiraden auf Behinderte loszulassen. Die schalte ich gar nicht erst frei, aber schön ist es trotzdem nicht. Zum Glück kommt das sehr selten vor, so dass es zwar ärgerlich, aber zum Glück nicht nervig ist.

Was wünscht du dir für das Internet?

Ich finde das Internet ein wunderbares Medium, weil es unglaublich viel Wissen für Menschen eröffnet. Heutzutage kann man in allen erdenklichen Sparten Einblicke bekommen, und zwar aus erster Hand. Das öffnet den Blick ja noch mal ganz anders. Schade finde ich nur, dass einige die Anonymität des Internets nutzen, um jegliche Konventionen zu vergessen. Meines Erachtens sollte man auch im Netz so mit Menschen umgehen, wie man mit realen Personen umgeht. Denn genau solche reale Personen sitzen ja auch vor dem PC. Das wird viel zu oft vergessen (oder bewusst ignoriert). Da würde ich mir einfach einen freundlicheren (aber immer noch ehrlichen) Umgang wünschen.

Und sonst? (Platz für Grüße und Küsse….)

Ich küsse nicht. Und damit ich beim Grüßen niemanden vergesse, sollen sich einfach die gegrüßt fühlen, die sich einen Gruß wünschen :)