Kein Spaß: Fruchtzucker in der Wurst
Ernährung

Kein Spaß: Fruchtzucker in der Wurst

“Es war ein schleichender Prozess, der sich  über eine längere Zeit hingezogen hat”, erinnert sich Tobias Volke. Bis dahin war er von Arzt zu Arzt gezogen, um  die Gründe für seine Magenschmerzen und sein Unwohlsein feststellen zu können.  Da die Vermutung  naheliegend war, hatte Volke sich die Informationen ohnehin weitgehend selbst organisiert. „Die Ärzte hatten es bis dahin nicht erkannt“, erzählt der 33jährige Münchener.  Irgendwann war es dann so weit: Die Informationen reichten aus, um bei einem Mediziner den Test zu machen. „Mir wurde dabei so übel“, weiß Tobias Volke noch.  Dann im Mai letzten Jahres die Feststellung und Diagnose: Fructose-Intoleranz.

Volke ist nicht allein. Immer mehr Menschen vertragen keinen Fruchtzucker. Schätzungen der Verbreitung gehen von bis zu 30 Prozent der Gesamtbevölkerung in westlichen Ländern und Afrika aus und deuten eine mit zehn Prozent der Bevölkerung geringere Verbreitung in Asien an, heißt es bei Wikipedia dazu. Wie groß die Nachfrage zu diesem Thema ist, kann Tobias Volke an den Zugriffszahlen seiner Webseite ablesen. „Weiterhin steigend“, berichtet er.

Anfangs war die Seite nur ein Tagebuch für ihn selbst, dann kamen immer mehr Informationen dazu. Der Austausch dazu erfolgte in Foren oder geschlossenen Facebook-Gruppen. „Es gibt sehr gute Fachbücher zu diesem Thema“, weiß Volke, eine Infoseite im Internet gab es bis dahin nicht. Als er dies änderte, kamen von betroffenen Menschen immer mehr E-Mails mit Fragen. Auch Zeitschriften und Magazine wendeten sich an ihn.

Während dieser Zeit hatte der 33jährige, der in München mit einem Partner eine Agentur betreibt, sich nach eigenen Worten „entgiftet“ und gemeinsam mit seiner Freundin den Speiseplan umgestellt. Volke ist heute auch Experte in Produktbeschreibungen. „Du musst schon wissen, was drin ist“, berichtet er am Telefon.  Bis hin zu der Bedeutung von Lebensmittelzusatzstoffen, die mit sogenannten E-Nummern bezeichnet werden. Schwierig dabei ist häufig, dass Lebensmittelhersteller zunehmend Fructose als Geschmacksverstärker einsetzen. Und dann findet sich Fruchtzucker auch in Wurst. Schwierig auch: Einige Stoffe, wie etwa Sorbit, werden oft versteckt oder nur indirekt oder mit E-Nummern ausgewiesen. Ärgerlich für jene, die unter Intoleranz leiden.

Tobias Volke vermutet in seinem eigenen Fall, dass die Fruchtzucker-Unverträglichkeit sich durch eine längere Behandlung mit Antibiotika eingestellt hat.  Er vermutet auch, dass viele Menschen überhaupt nicht wissen, dass sie eine Unverträglichkeit erleiden.  Ihm geht es gut.  Das etwas weniger süße Leben hat er „im Griff“, wie er selbst sagt. „Es gibt mittlerweile viele gute Ersatzprodukte im Handel“, beschreibt er seine Erfahrungen des letzten Jahres. Und manchmal, das gesteht er, lässt er sich auf den „Genuss“ von ein klein wenig Fruchtzucker doch  ein.

Frage an unsere Leser: Welche Erfahrungen haben sie mit einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit gemacht? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.