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Gesundheit

Die MS hat's nicht leicht mit mir!

Die Uhrzeit weiß er noch genau: „Es war 1.26 Uhr in der Nacht!“, sagt Daniel Kwaschnik und lacht. Am 10. August 2011 gründete er die Facebook-Gruppe „Die MS hat’s nicht leicht mit mir!“. Eine geschlossene Gruppe für jene, die Gleichgesinnte finden möchten und hier können. Nahezu alle haben eins gemeinsam: Diagnose Multiple Sklerose. Auch Daniel Kwaschnik (25) lebt seit Jahren damit. Begonnen wurde das Projekt allerdings schon im Jahr 2010 auf der Plattform meinVZ. „Ich wollte die Leute mit MS-Diagnose motivieren, sich zusammen zu schließen, und nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, erzählt Daniel Kwaschnik. Der gelernte Verkäufer, der derzeit den Bundesfreiwilligendienst bei den Johannitern absolviert, zählte dort bis zum Schluss 125 Mitglieder. „Dann war aber nicht mehr so viel los da“, erinnert er sich.

Der oben schon benannte Neustart auf Facebook war schnell gelungen.  Und die Mitgliederzahl stieg rasant. Zum Jahresende 2011 waren es mehr als 500, die sich dort für den gegenseitigen Austausch einfanden. Die aktuelle Zahl: 1850. Und mittlerweile sind es mehr als 22 Administratoren, die sich untereinander und allesamt ehrenamtlich abwechseln, um Mitglieder aufzunehmen, oder auch mal schlichtend eingreifen. „Kleinere Unstimmigkeiten untereinander kommen schon vor“, bestätigt Daniel Kwaschnik. „Aber das geht meistens ganz schnell wieder gut“, fügt er hinzu.

Preis für die Initiative

Für diese Initiative hat Daniel Kwaschnik im letzten Jahr den Preis für Engagement und Selbsthilfe von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung erhalten. Vorgeschlagen hatten ihn dort auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (Bundesverband) sowie der Landesverband Brandenburg. „Der Brandenburger Verband hat uns auch schon unterstützt, als wir noch 50 Mitglieder waren“, weiß er sehr gut in Erinnerung.

Der Austausch untereinander ist lebendiger denn je. Wer eine Frage hat, wer etwas zu zeigen oder zu erzählen hat,  kurz in die Gruppe geposted und schon geht in vielen Fällen das Liken oder Kommentieren los. Manchmal hat es auch seine Grenzen. Das bestätigt der 25jährige Gründer. „Wenn es gravierende medizinische Fragen sind, verweisen wir schon darauf, den Spezialisten oder den zuständigen Arzt zu befragen. Fragen nach Unterstützung oder Erfahrungen vermitteln wir dagegen nahezu jederzeit sehr gern“.

Treffen nur in der Facebook-Gruppe? Nein. Nachdem erste Treffen von Gruppenmitgliedern in Dortmund und Hannover erfolgreich waren, möchte Kwaschnik nun auch in diesem Jahr ein Treffen organisieren. Ende März, so die Planungen, soll dies zum vierjährigen Bestehen der Gruppe in Potsdam stattfinden.

Und dann muss auch Kwaschnik schauen, wie er nach seinem Freiwilligendienst weiter kommt. Seine Befürchtung: „Mit der MS einen Job zu finden wird nicht so einfach sein“.  Um dann zu ergänzen: „Wird schon!“  Es mag sein Lebensmotto sein: Nicht den Kopf in den Sand stecken.