Prof. Dr. Christian Franken
Körper und Seele

Medikamente einnehmen - aber wie?

Wahrscheinlich hat jeder von uns bereits mindestens ein Mal Tabletten einnehmen müssen. Tablette in die Hand nehmen, in den Mund geben, Wasser trinken, schlucken, fertig. Doch so einfach sollte man es sich nicht machen, findet unser Apotheker Christian Franken. Er hat ein paar nützliche Tipps zusammengefasst: 

Der richtige Einnahmezeitpunkt

Wann genau Medikamente zu nehmen sind – ob vor während oder nach dem Essen – steht im Beipackzettel. Der richtige Abstand zur Mahlzeit ist wichtig, da der Körper einige Arzneistoffe am besten nüchtern, also mit leerem Magen, aufnimmt, während andere Medikamente aufgrund ihrer magenreizenden Wirkung mit dem Essen einzunehmen sind, da der Speisebrei schützt. Arzneimittel gegen Sodbrennen sind dagegen erst nach dem Essen einzunehmen, also erst dann, wenn die Beschwerden auftauchen. „Vor dem Essen“ bedeutet, die Medikamente etwa 30 bis 60 Minuten vor der Nahrungsaufnahme zu nehmen. „Während der Mahlzeit“ heißt wirklich mit dem Essen und „nach dem Essen“ meint bis zu zwei Stunden danach.

Therapietreue ist wichtig

Verschwinden Beschwerden schon vor Ende einer Therapie scheint es für viele naheliegend, die Medikamente abzusetzen. Ein Fehler, denn so kann eine Infektion noch einmal verstärkt zurückkommen. Auch besteht die Gefahr, dass sich Antibiotika-Resistenzen ausbilden, so dass bei der nächsten Behandlung das Medikament nicht mehr anschlägt. Daher gilt: Medikamente immer so lange einnehmen, wie vom Arzt verordnet, auch wenn man sich schon wieder fit fühlt.

Nicht vergessen!

In der Hektik des Alltags kann die regelmäßige Einnahme von Medikamenten schon einmal vergessen werden – eben gerade dann, wenn sie noch nicht zur Routine geworden ist. Die Weckfunktion von Armbanduhr, Handy oder Wecker kann helfen, an die Einnahme zu erinnern. Es gibt auch von einigen Herstellern einen Erinnerungsservice bei dem sie zu jeder Einnahme eine SMS bekommen. Sollte aber doch mal vergessen werden, die Medizin zu nehmen, keinesfalls beim nächsten Mal die doppelte Menge nehmen. Lieber den Arzt ansprechen oder in der Apotheke nachfragen.

Vorsicht Wechselwirkungen!

Studien zufolge nehmen über sechs Millionen Patienten in Deutschland täglich mehr als drei Arzneimittel ein. Dabei ist Vorsicht geboten, da sich Medikamente wechselseitig beeinflussen können. So kann zum Beispiel das Schmerzmittel Ibuprofen die Wirkung von Diabetes-Mitteln verstärken oder Johanniskraut den Schutz der Antibabypille aufheben. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten prüft der Arzt normalerweise mögliche Wechselwirkungen. Ein höheres Risiko liegt in der Selbstmedikation. Lassen Sie sich immer von Arzt oder Apotheker beraten, wenn Sie zusätzliche Medikamente einnehmen. 

Tabletten nicht einfach teilen

Medikamente können nur richtig wirken, wenn sie auch richtig eingenommen werden. Einige Tabletten dürfen trotz Bruchrille, zum Beispiel nicht zerteilt werden, da dies die Wirkweise des Medikaments beeinflussen könnte. Bevor Tabletten geteilt werden immer beim Arzt oder Apotheker vergewissern, ob sie auch dafür geeignet sind. Falls ja, können Tabletten-Zerkleinerer beim Teilen helfen.

Medikamente richtig einnehmen

Wer regelmäßig Tabletten braucht, sollte diese aufrecht sitzend oder stehend mit ausreichend Leitungswasser einnehmen, damit sie sich optimal auflösen und nicht in der Speiseröhre hängen bleiben und dort die Schleimhaut der Speiseröhre verletzen. Milchprodukte sind bei der Einnahme keine gute Idee. Einige Antibiotika wirken gar nicht, oder nicht so, wie sie wirken sollten, wenn sie gleichzeitig mit Milch, Käse, Quark oder Joghurt eingenommen werden.

Keine Kopfschmerztabletten zum Katerfrühstück

Alkohol und Medikamente sind tabu – auch am Morgen nach der Party: Wer abends zu tief ins Glas geschaut hat, sollte mit der Einnahme seiner Medikamente so lange warten, bis der Kopf wieder klar ist. Das gilt besonders für Beruhigungsmittel und Antidepressiva, deren Wirkung durch Alkohol verstärkt wird. Aber auch Kopfschmerztabletten mit Acetylsalicylsäure können in Verbindung mit Alkohol gefährliche Nebenwirkungen verursachen. Der Magen-Darm-Trakt wird durch die Kombination extrem gereizt – im schlimmsten Fall droht eine Magenblutung.

Pillen und Pampelmusen – keine gute Kombination

Die Vitaminbombe Grapefruitsaft ist lecker und gesund. Doch Grapefruitsaft verstärkt die Wirkung von Medikamenten teilweise um das Zehnfache. Bestimmte Inhaltsstoffe der Grapefruit verhindern den Abbau von einigen Arzneimitteln. Die Folge: Das Medikament kann stärker wirken als beabsichtigt. Je nach Arznei können dadurch beispielsweise Bluthochdruck oder Kopfschmerzen ausgelöst werden.

K.o. durch Koffein

Koffein weckt die Lebensgeister. Deshalb sind Kaffee, Tee oder Cola beliebte Muntermacher. Wer seine Medikamente damit hinunterspült, riskiert jedoch Wechselwirkungen: Bestimmte Antibiotika oder Antibabypillen können den Abbau von Koffein verlangsamen. Schon eine Tasse Kaffee kann Herzrasen,  Schwindel oder Schlafstörungen auslösen. Die Wirkung beruhigender Mittel wird durch Koffein gemindert.  10. Keine Lakritze für Naschkatzen: Für alle Naschkatzen gilt: Wer Entwässerungsmittel einnimmt, sollte auf Lakritze verzichten. Entwässernde Arzneimittel und Lakritze rauben dem Körper Kalium. Erhöhter Blutdruck, Müdigkeit und Muskelschwäche sind häufige Folgen.