Schild am Eingang des deutsch-niederländischen Gewerbegebiet Avantis
DocMorris

Deutsch-niederländische Zusammenarbeit

Jeder, der einen neuen Job z.B. in Asien annehmen würde, wüsste, dass er sich zuvor über die kulturellen Besonderheiten informieren müsste, um nicht gleich am Anfang in das ein oder andere Fettnäpfchen zu treten. Aber gilt das auch für eine Tätigkeit in den Niederlanden? Für eine Firma, deren Standort weniger als 20 km von der deutschen Grenze entfernt ist? Durchaus!

Ein kleines Beispiel: Sie bewerben sich bei einer niederländischen Firma und weisen in Ihrer Bewerbung Ihren Werdegang vollständig durch sämtliche Zeugnisse und Zertifikate nach. Zum Vorstellungsgespräch erscheinen Sie in Anzug und Krawatte und überreichen Ihren Gesprächspartnern zu Anfang des Gesprächs Ihre Visitenkarte, auf der – neben Ihren Kontaktdaten -Ihr Titel vermerkt ist. Zum Abschluss unterstreichen Sie Ihr Interesse, indem Sie deutlich machen, wie gern Sie in Holland arbeiten würden.

Achtung: Stolperfalle!

Alles richtig gemacht? Leider nicht. Alleine in diesem kleinen Beispiel sind mehrere Stolperfallen versteckt, denen Sie im Geschäftsleben in den Niederlanden begegnen können. Lösen wir das Ganze mal auf:

  1. Arbeits- oder sogar Schulzeugnisse in Bewerbungen, seitenlange Protokolle zu Meetings oder schriftliche Krankmeldungen vom Arzt lösen bei Niederländern eher ein Kopfschütteln aus. Das Bedürfnis der Deutschen, alles schriftlich festzulegen und als „Beweis“ vorlegen zu können, ist unseren Nachbarn eher fremd. Hier gilt eine Vereinbarung auch, wenn sie mündlich in der Teeküche getroffen wurde und man erwartet die gleiche zuverlässige Umsetzung.
  2. Während in Deutschland in bestimmten Positionen oder Branchen Krawatte oder Kostüm erwartet wird, sind die Niederländer etwas legerer in ihrem Dress Code. Die Redewendung „Kleider machen Leute“ gilt hier nicht und ein Geschäftsführer in Jeans büßt keineswegs seinen beruflichen Status oder seine Autorität ein. Generell spielen Hierarchie und Status in den Niederlanden eine wesentlich geringere Rolle. So trifft man in Meetings nicht immer auf den hierarchisch gleichgestellten Counterpart, sondern auf denjenigen, der inhaltlich in das Thema eingebunden ist. Gute Ideen sind immer willkommen, unabhängig davon, ob ein Praktikant oder ein Abteilungsleiter sie einbringt. 
  3. Titel spielen im niederländischen Geschäftsleben kaum eine Rolle. Sie werden weder auf Visitenkarten oder in Signaturen aufgeführt, noch werden Gesprächspartner mit ihrem Titel angesprochen. Letzteres klänge auch seltsam, wenn man bedenkt, dass man sich im beruflichen Umfeld in den Niederlanden meistens duzt. Dabei gibt es keine festen Regeln wie in Deutschland, wer wem wann das Du anbieten darf. Meist ergibt es sich im Verlauf des Gesprächs oder des E-Mail-Kontaktes, dass man mit dem Vornamen und Du angesprochen wird. Auch ein kurzer Plausch über das Privatleben ist in Meetings üblich. Neben den Fakten spielt auch die persönliche Beziehung eine große Rolle und man möchte sein Gegenüber kennenlernen, um einschätzen zu können, ob man zueinander passt. Das alles sollte aber nicht als freundschaftliche Verbundenheit aufgefasst werden. Es wird einen Niederländer nämlich nicht davon abhalten, harte Verhandlungen zu führen und Ihnen ehrlich und direkt seine Meinung mitzuteilen. 
  4. Zwar hat sich die Bezeichnung `Holland´ im deutschen Sprachgebrauch als Synonym für die Niederlande etabliert, faktisch ist Holland aber nur ein Teil der Niederlande. Als `Holländer´ bezeichnet zu werden, wird in allen anderen Provinzen der Niederlande sogar als Beleidigung empfunden. Auf diesen Unterschied sollten Sie achten. Bei einem Vorstellungsgespräch in München würden Sie schließlich auch nicht erzählen, dass Sie immer schon in Ostfriesland arbeiten wollten. 

So wie diese gibt es noch viele weitere Beispiele für kulturelle Unterschiede zwischen Niederländern und Deutschen. Wenn Sie sich für eine Tätigkeit in den Niederlanden interessieren, lohnt es sich also, sich vorher etwas einzulesen. Aber wie äußern sich diese kulturellen Unterschiede in der Arbeit bei DocMorris, wo auch 50% deutsche Mitarbeiter arbeiten?

Die Mischung macht's

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zunächst die Gemeinsamkeiten der beiden Kulturen angucken: Ein hoher Anspruch an Qualität und Service, die Wertschätzung von Ehrgeiz und Können, die Bereitschaft hart zu arbeiten und Zuverlässigkeit sind die gemeinsamen Nenner. Die Arbeitsweise unterscheidet sich aber in einigen Punkten. Während Deutsche gerne im Voraus alles detailliert planen, schriftlich festlegen und die getroffenen Entscheidungen einhalten, bevorzugen die niederländischen Kollegen eine flexiblere Vorgehensweise, die mehr Spielraum für Kreativität und Improvisation zulässt. Ergebnisorientierung, Problembewusstsein und systematisches Vorgehen trifft auf Prozessorientierung und assoziativen Pragmatismus. Hier gilt: die Mischung macht`s!

In einem innovativen und dynamischen Unternehmen wie DocMorris bereichern sich diese beiden Ansätze gegenseitig. Erst werden hierarchieübergreifend Meinungen und Ideen eingeholt, dann wird die Planung aufgesetzt. Risiken und Probleme werden möglichst im Voraus betrachtet; läuft aber etwas unvorhergesehen nicht nach Plan, ist meist schnell eine alternative Vorgehensweise gefunden. In einer lockeren Arbeitsatmosphäre wird hier gemeinsam mit viel Engagement, Know-How und Humor an den herausfordernden Zielen gearbeitet.

Bei all der guten Zusammenarbeit, gibt es aber ein Thema, bei dem sich konsequent die Geister scheiden und nach wie vor keine Einigung in Sicht ist. Trotzdem freuen wir uns auf die WM 2014! :)