Viren
Gesundheit

Eine meist heilbare Krankheit

Bei einer kranken Leber denken viele zuerst an Alkohol. Aber die Leber kann auch aus zahlreichen anderen Gründen krank werden. Einer davon ist eine Infektionen mit Hepatits-Viren. Sie sind in Deutschland weiter verbreitet als die meisten annehmen. Am häufigsten kommen hierzulande Hepatitis B- (HBV) und Hepatitis C- (HCV) Infektionen vor. Vermutlich sind in Deutschland jeweils 400.000 bis 500.000 Menschen mit HBV und HCV infiziert.

Wie viele es genau sind, lässt sich auch deshalb schwer bestimmen, weil viele gar nicht ahnen, dass sie infiziert sind. Eine Leberentzündung verursacht unter Umständen jahrelang nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit.

Mit Medikamenten lässt sich eine Hepatitis B zwar gut kontrollieren, eine Hepatitis C oft sogar heilen, aber unbehandelt kann eine chronische Leberentzündung entstehen, zu Leberzirrhose (Vernarbung der Leber durch vermehrtes Zellsterben) oder Leberkrebs werden und häufig sogar zum Tod führen.

Die Funktion der Leber

Die Leber ist in unserem Körper das größte innere Organ und das mit den meisten Funktionen. Sie entgiftet das Blut, ist beteiligt an vielen Stoffwechselvorgängen und spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung. Sie kontrolliert das Immunsystem und die Blutgerinnung.

Bei einer Leberentzündung sterben Leberzellen vermehrt ab. Die lebenswichtigen Körperfunktionen können nur noch eingeschränkt ablaufen, wenn die Leber krank ist.

Dabei können Lebererkrankungen jeden treffen, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder Lebensstil.

Was genau ist eine Hepatitis?

Bei einer Hepatitis handelt es sich um eine Entzündung der Leber. Diese Entzündungen können ansteckende (Virusinfektionen) und nicht ansteckende (Autoimmunhepatitis, Alkoholhepatitis, Fettleberhepatitis) Ursachen haben. Die ansteckenden Virusinfektionen können durch verschiedene Viren ausgelöst werden, die mit den Buchstaben A bis E bezeichnet werden. Sie sind sehr unterschiedlich, werden anders übertragen und anders behandelt. Gemeinsam haben sie, dass sie zu einer Hepatitis führen und im Akutstadium (im ersten halben Jahr der Infektion) bei einigen Menschen von selbst ausheilen. Wird sie jedoch chronisch, kommt es zu einer Schädigung, die häufig unbemerkt verläuft, da die Leber kein Schmerzempfinden hat.

Ist meine Leber entzündet?

Erhöhte Leberwerte sind Anzeichen einer Leberentzündung. Diese und auch ob es sich um eine Virushepatitis handelt, kann der Arzt mit Hilfe eines Bluttests feststellen.

Gehören sie zu einer Risikogruppe (Drogenuser, häufiger Wechsel des Sexualpartners, Tätowierungen, Piercings, Kontakt mit fremdem Blut, Aufenthalt in Gebieten mit geringem Hygienestandard), dann sollten sie sich gezielt auf Hepatitis untersuchen lassen.

Es kommt oft über Jahre nur zu unspezifischen Symptomen, wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit, Druckgefühl im rechten Oberbauch, dunkler Urin, Appetitverlust, Gewichtsveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Blähbauch oder grippeähnliche Symptome. Nur wenige Menschen bekommen eine typische Gelbsucht (gelbe Haut oder gelbe Augen). Ist die Hepatitis bereits chronisch, können Begleiterkrankungen wie Depressionen, Ängste, Neuropathien, Muskel- und Gelenkschmerzen, trockene Mundschleimhaut, Erkrankungen der Nieren oder Schilddrüse und ein erhöhtes Diabetesrisiko hinzukommen.

Entzündete Leber von A bis E

Die unterschiedlichen Hepatitis-Viren werden auf unterschiedliche Art auf uns Menschen übertragen. Hepatitis-A und -E gelangen über mit Fäkalien verunreinigte Nahrungsmittel und Trinkwasser in unseren Körper. Da in Deutschland ein hoher Hygienestandard herrscht kommen diese Infektionen hier selten vor. Vorsicht ist geboten, wenn man sich in Gegenden aufhält mit geringem Hygienestandard. Das bedeutet Trinkwasser desinfizieren und Nahrungsmittel nur gekocht verzehren. Gegen Hepaitis-A ist eine Impfung möglich, bevor man in solche Risikogebiete fährt.

Weltweit verbreitet, also auch in Deutschland, sind die Infektionen mit Hepatits-B- und C-Viren. Hepatitis-B kann über alle Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen werden. Eine Impfung ist daher allen zu empfehlen, die häufig ihren Sexualpartner wechseln, sich tätowieren oder piercen lassen möchten, Drogenuser und Mitarbeiter im Gesundheitssystem, die mit fremdem Blut in Kontakt kommen könnten. Hygienegegenstände wie Zahnbürsten und Rasierklingen sollten nicht gemeinsam verwendet werden. Neugeborene von infizierten Müttern sind ebenso gefährdet.

Sollte es zu einer Infektion kommen, verläuft diese aber nur in 2-5% der Fälle chronisch und heilt meist in der Akutphase von selbst aus. Zurück bleibt eine lebenslange Immunität. Das Ziel sollte dennoch sein eine Infektion zu verhindern, weil

  • diese Immunität nur gesichert ist, solange man gesund ist. Kommt es zu einer Immunschwäche des Körpers, z. B. durch eine schwere Erkrankung, kann der Hepatitis-B-Virus wieder aktiv werden
  • eine Hepatitis-Infektion häufig über Jahre unerkannt bleibt und so die Leber irreversibel schädigen kann.

Hepatitis-D wird nur durch Blut übertragen und kommt nur zusammen mit Hepatitis-B vor. Eine Impfung gegen Hepatitis-B schützt somit auch vor Hepatitis-D.

Vom Hepatitis-C-Virus gibt es verschiedene Untergruppen, die sogenannten Genotypen von 1 bis 6. Diese Infektion wird durch Blut übertragen. Die Risikogruppen sind die gleichen wie bei den andere Hepatitis-Viren. Eine Impfung gibt es nicht, daher sollte jeder, um Blutkontakt zu vermeiden, folgende Regeln beachten:

  • Schutzhandschuhe tragen bei Kontakt mit fremdem Blut.
  • Drogenuser sollten ihre Utensilien (Spritzbesteck) nicht miteinander teilen.
  • Blutflecken mit Desinfektionsmitteln entfernen.
  • Hygienegegenstände wie Zahnbürsten, Rasierklingen und Feilen nicht gemeinsam benutzen.
  • Tätowierungen und Piercings nur unter sterilen Bedingungen machen lassen
  • Eine Übertragung beim Sexualverkehr ist zwar selten, auf schützende Kondome sollten sie aber nicht verzichten, vor allem während der Menstruation, bei Wunden im Genitalbereich, bei Analverkehr und bei harten Sexualpraktiken.

Informieren sie Sexpartner und alle, die mit ihrem Blut zu tun haben (Arzt, Krankenschwester).

Im normalen Alltagsleben beim Händeschütteln, Umarmen, beim Benutzen der gleiche Toilette und Essen vom gleichen Teller wird Hepatitis C nicht übertragen.

Was passiert, wenn ich mich doch mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert habe?

Eine Hepatitis-C-Infektion wird zu 80% chronisch. Ob sie schnell oder langsam voranschreitet ist, im Gegensatz zu Hepatitis B, unabhängig von der Virusmenge.

Unter Umständen spürt man jahrelang nichts davon, die Leber wird trotzdem geschädigt. Unbehandelt kommt es zu Spätfolgen (Leberzirrhose und Leberkrebs), die oft tödlich enden.

Die gute Nachricht: Chronische Hepatitis C ist bei bis zu 90% der Infizierten heilbar, aber nur wenn sie behandelt wird.

Was kann mir bei einer Hepaitits-C-Infektion helfen?

Behandelt wird eine Hepatitis-C-Infektion mit Substanzen, welche das Virus hemmen oder das Immunsystem anregen.

Die Bestimmung des Genotypen des Hepaitits-C-Virus ist für die Therapie wichtig. Manche Substanzen wirken nur gegen bestimmte Genotypen. Daher ist nicht jede Therapie für jeden Patienten geeignet.

Je nach Medikament, Genotyp, Therapieansprechen und Krankengeschichte dauert die Therapie 12-48 Wochen. Man gilt als geheilt, wenn 6 Monate nach dem Therapieende keine HCV-RNA im Blut nachweisbar ist.

Es kommen immer Kombinationen von Arzneimitteln zum Einsatz. Bis 2013 war dies eine Therapie, mit einer 2er Kombination aus Peg-Interferon (Spritzen zur Abwehrsteigerung) und Ribavirin (Tabletten zur Hemmung der Virusvermehrung). Zur Verstärkung der Therapie kann, je nach Patient und Untertyp (Genotyp) des Virus, noch ein drittes virushemmendes Medikament hinzugenommen werden. Seit ein paar Jahren stehen dafür die Wirkstoffe Boceprevir und Telaprevir zur Verfügung. Neue Medikamente konnten die Heilungsraten, durch neue Therapiemöglichkeiten, deutlich steigern. Seit diesem Jahr sind dies Sofosbuvir und Simeprevir. Diese können in bestimmten Fällen sogar als Interferon-freie Therapie eingesetzt werden, was bei Interferon-Unverträglichkeit von Bedeutung ist. Von Vorteil ist auch, dass sie insgesamt wirksamer und nebenwirkungsärmer zu sein scheinen, als die Interferon-basierten Therapien.

Durch die noch zu erwartenden neuen Medikamente, wird sich die Therapie der Hepatitis-C in den nächsten Jahren vermutlich grundlegend verändern. Es ist davon auszugehen, dass die Behandlungen einfacher, kürzer und verträglicher werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.welthepatitistag.info. Auf www.lebertest.de können darüber hinaus einen Test machen inwieweit Sie zu einer Risikogruppe für Hepatitiserkrankungen gehören.