Daniel Nagel
DocMorris

Mit teilweise provokanten Kampagnen unser Anliegen vorantreiben

Bei Jugend gegen AIDS betreibe junge Leute aktive Aufklärung gegen HIV bzw. AIDS. Jugendliche erklären Jugendliche wie sie sich vor sexuellen Krankheiten im Allgemeinen und gegen HIV im speziellen schützen können. Daniel Nagels, 24 Jahre alt, studiert BWL und ist seit 2011 bei „JGA“. Mittlerweile ist er Vorsitzender von Jugend gegen AIDS. Wir haben mit ihm gesprochen.

Welches Motiv hat ein Jugendlicher sich gegen AIDS zu engagieren?

Ich denke grundsätzlich sollte jeder Jugendliche es in Betracht ziehen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Wenn man erst einmal dabei ist und etwas gefunden hat, was einem Spaß macht, ist das eine gute Möglichkeit, früh viele unterschiedliche Sachen kennenzulernen und sich persönlich weiterzuentwickeln.

Wieso HIV/AIDS? 

Die Entscheidung, sich bei uns und bei diesem Thema zu engagieren, sind vielseitig. Ich denke aber, dass wir es gut schaffen, das Thema für junge Menschen relevant zu machen und wir vielen die Möglichkeit eröffnen, sich in einem spannenden und vielseitigen Thema einzubringen.

Wir sind ein sehr junger und moderner Verein, der viel Unterstützung genießt - ich denke das motiviert unsere Zielgruppe zusätzlich sich bei uns zu engagieren.

Eines Eurer Projekte ist die „Positive Schule". Worum geht es bei dem Projekt?

Aufklärung auf Augenhöhe. Unsere Workshops sind speziell für 8./9. Klassen ausgelegt und werden dort von nahezu Gleichaltrigen, sog. Peers, durchgeführt. Auf Frontalunterricht wird verzichtet. Wir schaffen eine angenehme, zwanglose Atmosphäre, die für die Schüler angenehmer ist und einen Rahmen bietet, in dem man jegliches Unwissen offen äußern kann. Wir fungieren in diesem Rahmen eher als großer Bruder oder große Schwester und versuchen zusätzlich zum Unterricht einen Rahmen zu bieten, um die Themen Sexualität und sexuelle Gesundheit zu spielen.

Homosexuelle Männer haben ein höheres Risiko sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Nicht zuletzt deswegen engagiert Ihr Euch bei den verschiedenen Christopher-Street-Days in ganz Deutschland. Ein Schwerpunkt für Euch ist dabei Köln und der Köln-Bonner-Flughafen gewesen. Was genau macht Ihr da?

Ja, die Zahlen des RKI sagen eindeutig, dass HIV vor allem in Deutschland Männer betrifft, die Sex mit  Männern haben. Trotz dessen verfolgen wir einen anderen Ansatz und möchten, dass sich alle jungen Menschen mit dem Thema Safe Sex auseinander setzen.  Jeder hat ein Risiko, sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Dabei tragen wir auch einen Teil zur Endstigmatisierung bei, da heute noch viele HIV/AIDS für einen Schwulenkrankheit halten. Wir sind überzeugt, jeder soll auf sich Acht geben - wir machen keinen Unterschied. 

Auf den CSDs geht es uns selbstverständlich auch um Verhütung und Schutz vor sexuell-übertragbaren Krankheiten, aber auch vorrangig um die sexuelle Akzeptanz und Freiheit jedes Einzelnen. Aus unserer Sicht ist man nur in der Lage, sich selbst zu schützen, wenn man zu sich steht und die Möglichkeit hat, seine Sexualität ohne Angst auszuleben. Wir sind überzeugt, dass ein selbstbewusster Umgang mit diesem Thema das eigene Selbstvertrauen stärkt und dazu führt, dass man sich überhaupt schützenswert findet.

Dieses Jahr haben wir zum 3. Mal in Folge den Flughafen Köln/Bonn vom CGN Airport zum CSD Airport verwandelt. Der gesamte Flughafen hat sich ein anderes Gewand gegeben und wir haben alle Fluggäste zwei Wochen lang unter dem Motto „Love who you want. Do it with love, respect and condoms“ willkommen geheißen. Egal, woher die Maschine gekommen ist, jeder hat Kondome von uns bekommen.

Was ist Dein Wunsch für die Zukunft für Euren Verein und für Dich ganz persönlich?

Ich wünsche mir, dass wir weiter wachsen und noch mehr Jugendliche für uns begeistern. Wir werden genau so viel erreichen, wie die Schultern unseres Teams tragen können - deshalb sind wir als ehrenamtliche Organisation auf junge Talente angewiesen, die Lust haben, eine erfolgreiche Initiative weiterzuentwickeln und unseren Themen ihren Stempel aufzudrücken. Das macht uns auch in der Zukunft authentisch. Ganz persönlich wünsche ich mir, dass wir auch weiter das Vertrauen und die Freiheit genießen, mit teilweise provokanten Kampagnen unser Anliegen vorantreiben zu können.