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Gesundheit

Medikamentenabhängigkeit: Eine oft unterschätzte Sucht mit gesundheitlichen Folgen

Medikamentenabhängigkeit ist eine ernst zu nehmende Sucht, die schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann. Deutschlandweit sind ca. 2 Millionen Menschen betroffen. Doch was genau versteht man eigentlich unter Medikamentenabhängigkeit? Welche Symptome sprechen für eine Abhängigkeit und was kann ich tun, wenn ich betroffen bin? Wir haben unsere stellvertretende Chefapothekerin Sonja Thüllen gefragt – im Interview klärt sie über das Thema Medikamentenabhängigkeit auf und verrät, was wir bei DocMorris unternehmen, um Medikamentenmissbrauch zu verhindern.

Was genau versteht man eigentlich unter Medikamentenabhängigkeit?

Unter Medikamentenabhängigkeit versteht man eine körperliche und / oder psychische Abhängigkeit von bestimmten Arzneimitteln. Diese kann sich entwickeln, wenn ein Medikament entweder zu lange, in zu hoher Dosierung oder ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen wird. Die Gründe für einen solchen Medikamentenmissbrauch sind vielseitig – oft erhoffen sich die Betroffenen eine schneller eintretende, verstärkte oder länger anhaltende Wirkung der einzunehmenden Präparate. Wie bei jeder anderen Sucht sind auch bei einer vorhandenen Medikamentenabhängigkeit schwierige Lebensumstände oder eine persönliche Überforderung häufige Beweggründe für den Konsum.

Besonderes Suchtpotenzial besteht daher bei folgenden Medikamentengruppen:

  • Schmerzmittel (Analgetika)
  • Schlafmittel (Sedativa, Hypnotika)
  • Nasentropfen bzw. Nasenspray
  • Abführmittel
  • Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer)
  • Aufputschmittel (Stimulantien, zentralerregende Mittel)

Langfristig kann die falsche Dosierung oder lange Anwendungsdauer dieser Medikamentengruppen zu Toleranzen führen. Das heißt, Patienten empfinden eine verminderte Wirkung der einzunehmenden Präparate und erhöhen die Dosierung fortlaufend. Das Absetzen dieser Medikamente führt im Falle einer Abhängigkeit dann zu körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen.

Schätzungen zufolge sind rund 2 Mio. Menschen in Deutschland von Medikamentenmissbrauch bzw. einer Medikamentenabhängigkeit  betroffen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, denn Abhängigkeiten werden von Patienten und Angehörigen oft erst spät oder gar nicht als Sucht erkannt.

Und wie erkenne ich, ob eine Medikamentenabhängigkeit bzw. ein Medikamentenmissbrauch vorliegt?

Eine Abhängigkeit wird von Betroffenen oft erst dann festgestellt, wenn die einzunehmenden Präparate nach erfolgter Behandlung wieder abgesetzt werden oder bereits während der Behandlung eine kontinuierliche Dosierungserhöhung vorgenommen werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Dennoch gibt es einige typische Hinweise, die bereits frühzeitig auf eine Medikamentenabhängigkeit bzw. einen Medikamentenmissbrauch hinweisen können. Diese variieren je nach Dauer und Schwere der Abhängigkeit:

  • Vernachlässigung von privaten oder beruflichen Aktivitäten, um das Medikament zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von der Wirkung zu erholen.
  • Wiederholte und übermäßige Einnahme des Medikaments trotz körperlicher, sozialer oder beruflicher Probleme, die durch den Medikamentenkonsum verursacht werden.
  • Medikamente werden länger, in größeren Mengen oder in sonstiger Weise anders eingenommen, als ärztlich verordnet (z.B. Einnahme von Schlafmitteln tagsüber, um sich zu beruhigen).
  • Entwicklung von Toleranzen, die mit einer Dosissteigerung und verminderter Wirkung der Präparate einhergehen.
  • Beschaffung der Medikamente von verschiedenen Ärzten oder auf illegalem Weg.
  • Der Konsum und die damit einhergehenden Probleme werden im sozialen oder beruflichen Umfeld verheimlicht.
  • Körperliche und / oder psychische Entzugssymptome bei Beendigung oder Reduktion der Medikamenteneinnahme.
  • Erfolglose Versuche, die Einnahme des Medikaments zu kontrollieren. Eine Reduktion oder Beendigung der Einnahme sind nicht mehr vorstellbar.

Welche Folgen kann Medikamentenmissbrauch kurz- und langfristig haben?

Die nicht therapiegemäße Einnahme oder Anwendung von Medikamenten kann sehr schwerwiegende, langfristige Folgen für die Betroffenen haben. Diese können sowohl körperlicher, als auch seelischer Natur sein.

Mögliche körperliche Folgen einer Medikamentenabhängigkeit können bspw. Gleichgewichts-, Bewegungs-, Konzentrations- und Sprachstörungen sein. Aber auch die Organe erleiden je nach Präparat, Dosierung und Einnahmedauer schwere Schäden. So können bspw. Magenerkrankungen, Leberschädigungen oder Nierenversagen bei Medikamentenmissbrauch auftreten. Insbesondere eine Überdosierung von Schmerzmitteln kann im Einzelfall sogar Atemlähmungen verursachen und birgt für die Betroffenen akute Lebensgefahr.

Medikamentenabhängigkeit erzeugt oftmals auch sehr belastende psychische Probleme, wie bspw. Interesselosigkeit und eine Verflachung der Gefühle. Auch Stimmungsschwankungen, Depressionen und Ängste sind typische Folgen einer Medikamentenabhängigkeit, die langfristig zu einer Änderung der Persönlichkeit führen.

Neben Langzeitfolgen kann auch das Absetzen der Medikamente zwar kurzfristige, aber zum Teil sehr erhebliche Entzugserscheinungen verursachen, die für die Patienten gefährlich sind. Hierbei reagiert der Körper auf das Ausbleiben der Wirkstoffzufuhr bspw. mit starken Krämpfen, Schwitzen, Zittern, Angststörungen oder erhöhtem Blutdruck und Herzrasen.

Was kann ich selbst unternehmen, wenn ich an einer Medikamentenabhängigkeit leide?

Der erste Schritt sollte ein beratendes Gespräch mit einem Arzt sein, um den Grad bzw. die Form der Medikamentenabhängigkeit zu bestimmen und mögliche Therapieansätze zu erörtern. Wenn eine Abhängigkeit durch den Arzt diagnostiziert wird, sollten Entwöhnungsversuche unbedingt auch in ärztlicher Begleitung stattfinden. Mit ärztlicher Hilfe kann die Dosierung dann schrittweise reduziert werden. Psychologische oder psychotherapeutische Begleitung bei der Entwöhnung ist für viele Betroffene zusätzlich ratsam, da die Ursachen der Medikamentensucht oftmals begründet sein kann.

Und wie steht DocMorris zum Thema Medikamentenabhängigkeit?

Der Weg hin in eine Medikamentenabhängigkeit verläuft in der Regel über einen Arzt, der die Medikamente verschreibt, und eine Apotheke, die diese dem Patienten aushändigt. Bei nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten ist die Apotheke sogar erste Anlaufstelle. Daher ist es das Apothekenteam, welches frühzeitig einen sich anbahnenden Missbrauch erkennen und ein Abgleiten in die Sucht verhindern kann.

Wir verstehen uns bei DocMorris daher als proaktive Berater - bei auffälligen Bestellungen eines entsprechenden Medikaments weisen wir unsere Kunden auf die Gefahr einer Arzneimittelabhängigkeit hin. Für bestimmte verschreibungsfreie Arzneimittel haben wir deswegen auch eine Höchstabgabegrenze festgelegt.

Darüber hinaus bieten wir ein umfassendes Beratungsangebot: Wer Fragen rund um das Thema Medikamentenabhängigkeit hat, kann aktiv das persönliche Gespräch mit unseren Pharmazeuten suchen (per live Video-Chat, E-Mail oder telefonisch). DocMorris beschäftigt über 90 Apotheker und Apothekenfachkräfte. Unter der Leitung unseres Chefapothekers Prof. Dr. Christian Franken sind sie nicht nur beratend tätig, sondern kontrollieren zudem jede Bestellung anhand der für Deutschland festgelegten Apothekenstandards. Sollten wir bei einer Bestellung bspw. Wechselwirkungen oder Auffälligkeiten in den verschriebenen Dosierungen feststellen, informieren wir unsere Kunden schriftlich und in dringenden Fällen auch telefonisch.

Zudem bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, ein Medikationsprofil anzufordern: Wer regelmäßig verschiedene Medikamente einnimmt, der weiß, wie schwer es sein kann, den Überblick zu behalten. Das Medikationsprofil  ist sehr hilfreich für Beratungsgespräche mit dem behandelnden Arzt. Besonders, wenn Medikamente von mehreren Ärzten verschrieben werden oder der Arzt gewechselt wird, empfehlen wir, ein solches Medikationsprofil zum Arztbesuch mitzunehmen. So ist jeder Arzt umfassend informiert und kann sicherstellen, dass seine Patienten optimal mit Medikamenten versorgt sind, keine Über- oder Unterdosierung vorliegt und ihre Medikamente sich miteinander vertragen.