Kind mit einem Zollstock
Gesundheit

Wachstum und Hormone

Viele Eltern sind verunsichert, wenn Ihr Kind im Vergleich zu anderen Kindern entweder viel kleiner oder auch größer ist. Aber nicht immer sind tatsächlich Wachstumsstörungen der Grund für den Größenunterschied. Hier erfahren Sie, ab wann man wirklich von Wachstumsstörungen spricht und wie Sie damit umgehen sollten.

Was sind Wachstumsstörungen?

Von Wachstumsstörung spricht man, wenn die Körperlänge oder die Wachstumsgeschwindigkeit ober- bzw. unterhalb der altersbezogenen Norm liegt. Zur Beurteilung werden sogenannte Perzentilenkurven herangezogen. Der 50. Perzentilwert entspricht dem Medianwert. 

Kinder, deren Körperlänge/-höhe unter dem 3. Perzentilwert liegt, sind definitionsgemäß kleinwüchsig (ca. 3% aller deutschen Kinder). Sehr viel häufiger ist der Kleinwuchs ohne Progression,  wie z. B. der familiäre Kleinwuchs (wenn die Eltern schon klein sind), der eine Normvariante darstellt. Bei präpubertären Kindern und Jugendlichen mit dem Verdacht auf eine Verzögerung von Wachstum und Pubertät sollte im Alter von 8-13 Jahren bei Mädchen, und  im Alter von 10-15 Jahren bei Jungen näher nachgeschaut werden. Ein klärendes Gespräch mit dem Kinderarzt ist ratsam.

Bei Werten oberhalb des 97. Perzentilwertes besteht ein Hochwuchs. Haben Sie den Verdacht, dass ihr Kind zu schnell zu groß wird, dann sprechen Sie dies frühzeitig bei einem Vorsorgetermin an. Die häufigste Ursache eines Hochwuchses ist der familiäre Hochwuchs.
Die Definition Klein-bzw. Hochwuchs sagt jedoch nicht aus, ob es sich um einen krankheitsbedingten Klein- oder Hochwuchs handelt. Bei der Einschätzung des erreichten Wachstums eines Kindes ist vor allem auch die Elternzielgröße von Bedeutung, d.h. die Berücksichtigung familiärer genetischer Faktoren. Klein- oder Großwuchs aufgrund einer primären Störung der Wachstumshormone ist insgesamt selten.


Die Ursachen für einen Klein- oder Hochwuchs sind unterschiedlich: Erblich bedingt, aber auch durch Chromosomenabweichungen oder chronische Erkrankungen können sekundär (als Folge) Wachstumsstörungen hervorgerufen werden. Hierzu zählen bspw. Herz-, Lungen- und Darmerkrankungen, Nieren- und Leberfunktionsstörungen sowie chronische Entzündungen und Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes). Selten liegt eine ernährungsbedingte Ursache, z.B. ein Vitamin- und Mineralstoffmangel, vor. Auch Hormonstörungen können die Ursache für Wachstumsstörungen sein. Im Gehirn wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) unter anderem das Wachstumshormon STH (somatotropes Hormon) gebildet. Verschiedene Erkrankungen können die Bildung des Hormons behindern oder beschleunigen. Auch können im Hormonkreislauf „nachgeschaltete“, ebenfalls am Wachstum beteiligte, Hormone oder Hormonempfänger betroffen sein, etwa die Schilddrüse oder die Nebennieren. Die Folge sind Wachstumsstörungen.

Diagnose: Wie werden Wachstumsstörungen diagnostiziert?

Entwicklung und Wachstum verlaufen bei Kindern individuell unterschiedlich. Entscheidend ist das Wachstum im Verlauf der Entwicklung. 

Anhand der Perzentilenkurven, in denen Normwerte erfasst sind, kann ein auffälliges Wachstum erkannt werden. Solange das Wachstum des Kindes im Normbereich liegt – egal, ob im unteren oder oberen – liegen keine Wachstumsstörungen vor. Auch kurzfristige zu kleine oder zu große Werte deuten noch nicht auf eine Wachstumsstörung hin. Es wird immer auch die Wachstumsgeschwindigkeit betrachtet und je nach Alter ist eine Beobachtung von einigen Monaten bis Jahren notwendig. Bei einer ärztlichen Untersuchung werden neben dieser Kontrolle des Gewichts und der Größe auch Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie Vorerkrankungen des Kindes erfragt.

Besteht der Verdacht auf Wachstumsstörungen, veranlasst der Arzt weitere Untersuchungen. Durch eine Röntgen-Untersuchung kann das biologische Alter anhand des Knochenalters beurteilt werden. Ist ein Kind beispielsweise auffällig klein und sein biologisches Alter ist dem „echten“ Alter um zwei Jahre hinterher, kann man davon ausgehen, dass das Kind noch ein großes Wachstumspotenzial hat. Hat der Arzt den Verdacht, dass es sich um eine hormonelle Störung handelt, wird das entsprechende Hormon im Blut bestimmt. Bei erblich bedingten Wachstumsstörungen können spezielle genetische Analysen Aufschluss darüber geben, welche Störung genau vorliegt. 

Bei einem nachgewiesenem Wachstumshormonmangel soll eine Kernspintomographie der Hypothalamus-Hypophysen-Region durchgeführt werden.

Behandlung: Wie können Wachstumsstörungen behandelt werden?

Nicht alle Wachstumsstörungen können behandelt werden. Wichtig ist, dass die Ursache der jeweiligen Wachstumsstörung bekannt ist, sodass der Arzt – wenn möglich – die entsprechende Therapie einleiten kann. Sind Wachstumsstörungen durch Hormonstörungen verursacht, empfiehlt sich eine Hormontherapie. Bei Kleinwuchs lässt sich das Hormondefizit durch regelmäßige Hormonsubstitution ausgleichen und die Körpergröße des Kindes damit normalisieren. Welches Hormon zusätzlich verabreicht werden muss, ist unterschiedlich. Möglich sind Wachstumshormone, Schilddrüsenhormone und Sexualhormone.

Bei familiärem Großwuchs kann eine Behandlung mit Sexualhormonen (Östrogene bei Mädchen, Testosteron bei Jungen) helfen. Dadurch kann jedoch die Pubertät frühzeitig einsetzen. In einigen Fällen kann auch eine Operation an der sogenannten Wachstumsfuge des Knochens (Epiphysenfuge) notwendig sein, um das Wachstum zu stoppen. Eine medikamentöse Behandlung des Hochwuchses ist auf Einzelfälle zu beschränken. Die Therapie sollte in der Hand pädiatrischer Endokrinologen bleiben. 

Wie kann man Wachstumsstörungen vorbeugen?

Wachstumsstörungen kann man nicht vorbeugen. Ein regelmäßiges Messen und Wiegen des Kindes ermöglicht die frühzeitige Diagnose einer Wachstumsstörung. In der Regel führt der Kinderarzt diese Untersuchungen im Rahmen der kindlichen Vorsorge-Untersuchungen durch. Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind generell für die gute Entwicklung von Kindern empfehlenswert, um Wachstumsstörungen durch Vitamin- oder Mineralstoffmangel vorzubeugen.