Vier Würfen, die zusammenliegen und auf denen steht: ADHS
Gesundheit

ADHS bei Kindern

ADHS ist eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und gehört zum Formenkreis der hyperkinetischen Störungen (HKS). HKS wird als psychische Störung, genauer Entwicklungsstörung, bezeichnet, die beim betreffenden Kind Aufmerksamkeitsprobleme, eine Störung der Impulsivität und häufig auch Hyperaktivität, also vermehrten Bewegungsdrang, zeigt. Hauptmerkmale der Erkrankung ADHS sind folgende Symptome:

  • Unaufmerksamkeit (leichte Abklenkbarkeit, Schwierigkeit, sich zu konzentrieren)
  • Überaktivität (starker Bewegungsdrang, Stillsitzen wird zur Qual)
  • Impulsivität (unkontrolliertes, nicht vorausschauendes Handeln; Betroffene beginnen mit Aufgaben, ohne sie zu Ende gehört und verstanden zu haben). 

Doch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind recht allgemeine und unspezifische Krankheitsmerkmale, die nicht nur bei ADHS, sondern auch bei einer Reihe anderer Erkrankungen auftreten können. Auch gesunde Kinder zeigen dieses Verhalten, im Vergleich jedoch seltener und schwächer ausgeprägt. Neben eindeutigen Verläufen einer ADHS-Erkrankung existieren zudem auch Grenzfälle, die nicht immer eindeutig zu beurteilen sind.

Umso schwieriger ist es, eine treffsichere Diagnose einer ADHS-Erkrankung zu stellen. Diese sollte daher sorgfältig und mit der dafür notwendigen Zeit vorgenommen werden. Oft ist es gerade für die Eltern betroffener Kinder schwierig, die notwendige Geduld hierfür aufzubringen, denn die Situation Zuhause oder im Umfeld ist im Falle eines Verdachts auf ADHS meistens ohnehin schon sehr stressig und von viel Unruhe geprägt.

Was sollten Sie also unternehmen, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind an ADHS erkrankt ist? Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, was Sie zur Diagnosefindungunternehmen sollten. 

1. Schritt zur Diagnose ADHS: Andere Ursachen ausschließen

In einem ersten Schritt wird überprüft, ob ggf. eine andere Ursache den Beschwerden zugrunde liegt, wie z. B. eine Schilddrüsenerkrankung. Dazu erfolgt unter anderem eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Blutentnahme beim Arzt. Achten Sie darauf, dass bei der ersten Untersuchung auch ein ausführliches Gespräch stattfindet. Der Arzt wird nach dem ersten Auftreten der Symptome fragen, und nach Situationen, in denen sich die Symptome häufen. Außerdem wird erfragt, wie stark die geschilderte Symptomatik Ihren Alltag und den Ihres Kindes beeinträchtigt. Sprechen die Hinweise dafür, kann der Verdacht auf das Vorliegen einer ADHS geäußert werden. 

2. Schritt zur Diagnose ADHS: Abklärung durch einen spezialisierten Facharzt 

Nachdem eine Untersuchung durch den Kinder- und Jugendarzt stattgefunden hat, sollten Sie bei weiterhin bestehendem Verdacht einen spezialisierten Facharzt bzw. ein auf ADHS spezialisiertes Zentrum aufsuchen. Die Diagnose ADHS wird dort wesentlich aufgrund von Verhaltensbeobachtungen und Beschreibungen des Patienten sowie dessen Bezugspersonen gestellt. Um eine Erkrankung an ADHS sicher zu diagnostizieren, müssen die Probleme  mindestens seit sechs Monaten bestehen und in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen aufgetreten sein (z. B. zu Hause und in der Schule). Neben Gesprächen mit Ihnen und Ihrem Kind ist bei Schulkindern zudem die Einschätzung eines Lehrers wichtig. Fragebögen werden hier unterstützend eingesetzt.

3. Schritt zur Diagnose ADHS: Das 6. Lebensjahr abwarten

Anzeichen einer ADHS können bereits im Kleinkind- oder Vorschulalter vorhanden sein, eine gezielte ADHS-Diagnostik wird aber in der Regel nicht weit vor einem Alter von 6 Jahren empfohlen. Ein Grund dafür ist, dass ADHS-Symptome in dieser frühen Lebensphase oft noch nicht zuverlässig bewertet werden können und die Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachtet werden sollte. Daher sollten Sie das 6. Lebensalter Ihres Kindes abwarten, um eine abschließende Diagnose einzufordern. Natürlich kann ihr Arzt auch bereits vorher, ohne die Diagnose ADHS, hilfreiche und entlastende Maßnahmen anbieten, falls die Symptome schwerwiegend sind.

Multimodale Behandlung der ADHS

Falls ein Arzt den Verdacht auf eine ADHS-Erkrankung bestätigt, erfolgt eine Behandlungsstrategie, die sich auf drei Hauptsäulen stützt: 

  • Die Aufklärung und Beratung der Eltern und des Kindes (Psychoedukation)
  • Die medikamentöse Therapie
  • Die Psychotherapie 

In diesem sogenannten multimodalen Behandlungskonzept stellt die Psychoedukation die Basis für alle anderen Behandlungsformen dar. Es geht zunächst darum, über das Krankheitsbild aufzuklären. Es werden Ziele der Behandlung formuliert und auch, mit welchen Therapieformen diese Ziele am besten erreicht werden können.

Medikamentöse Behandlung der ADHS

Bei einem Teil der Kinder kommt z. B. aufgrund einer ausgeprägten Hyperaktivität schon früh eine medikamentöse Behandlung in Betracht. Ein Grund dafür ist, dass Kinder teilweise erst nach einer deutlichen Linderung der ADHS-Symptome in der Lage sind, zusätzliche Therapieformen, wie z. B. Ergo- oder Verhaltenstherapie, umzusetzen. Die Ergotherapie hat das Ziel, die motorische und psychische Entwicklung zu unterstützen, um dadurch eine Verbesserung von Aufmerksamkeit, Konzentration und Ausdauer zu erreichen. Auch die Bewegungssteuerung und –kontrolle zählt dazu. Sogenannte kognitive Verhaltenstherapien zielen auf die Vermittlung von Problemlösungsstrategien, die eine bessere Selbstkontrolle des Verhaltens ermöglichen.

Die meisten Kinder und Jugendlichen vertragen die Medikamente (sog. Stimulanzien, z.B. Methyphenidat, Atompxetin, Dexamphetamin, Lisdexamfetamin) gut. In der Regel wird mit einer geringen Dosierung begonnen und dann langsam gesteigert. Als unerwünschte Wirkung kann eine Störung des Appetits auftreten, deshalb erfolgen regelmäßige Kontrollen des Körpergewichts und des Wachstums. Wegen möglicher Effekte auf die Herz-Kreislauf-Funktionen werden außerdem regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks und der Pulsfrequenz empfohlen. Auch Schlafstörungen als Nebenwirkung sind möglich. In Fällen, in denen die erste medikamentöse Behandlung nicht wirkt oder nicht vertragen wird, kann auf andere, ebenfalls gut wirksame und verträgliche Wirkstoffe umgestellt werden.

Da in den meisten Fällen auch die gesamte Familie durch die Erkrankung belastet ist, gibt es sogenannte psychosoziale Hilfen, die auch Eltern und Geschwister mit einbeziehen, wie z.B. Selbstmanagement (das Einüben von Verhaltensweisen, die Kindern und Jugendlichen eine bessere Kontrolle der ADHS- Symptome ermöglichen) oder das Elterntraining (Verhaltenstraining für Eltern).