Demenz
Gesundheit

Demenz

Jeder kennt die Situation, dass einem z. B. ein Name entfallen ist oder man einen Termin verschwitzt. Solche „Aussetzer des Gedächtnisses“ sind punktuell, und meistens fällt einem das Vergessene auch später wieder ein. Bei Menschen mit Demenz wird diese Vergesslichkeit jedoch zur Krankheit und alltäglichen Belastung. Das Denken, Wahrnehmen und Erkennen nimmt kontinuierlich ab, bis es letzten Endes ganz verloren geht. Wir erklären Ihnen, was die Erkrankung für Betroffene bedeutet und wie Sie als Angehörige damit umgehen sollten.

Was bedeutet Demenz?

Demenz bezeichnet das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten aufgrund verschiedener neurologischer Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems). Dabei werden Nervenzellen im Gehirn geschädigt und zerstört, sodass die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verloren geht. Demenz beeinträchtigt das Gedächtnis, das logische und kritische Denken, emotionale sowie soziale Fähigkeiten und führt schließlich zum Verlust der eigenen Identität.

Ein Demenz-Kranker verliert mit der Zeit mehr und mehr die Möglichkeit, den Alltag zu bewältigen., Viele Patienten merken dabei deutlich, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist. Das äußert sich in Konzentrationsschwäche oder Wahrnehmungsstörungen sowie in der Beeinträchtigung von Sprache, Auffassungsgabe, Lernfähigkeit, Rechnen und Entscheidungsfähigkeit. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der zeitlichen und örtlichen Orientierung, ggf. auch Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Nach und nach gehen alle Gedächtnisfunktionen (Merkfähigkeit, also das Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis) verloren.

Im weiteren Verlauf kommt es zu Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen. Die Erkrankten erscheinen oberflächlicher, sorgloser und zeigen teilweise ein enthemmtes Verhalten, das sich in Taktlosigkeit und Aggressivität äußert. Die Betroffenen verlieren ihre Selbstständigkeit, die Fähigkeit zur Kommunikation und wissen schließlich nicht mehr, wer sie sind.

Auch zunehmende körperliche Symptome wie Koordinationsstörungen der Bewegungen, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Kontrollverlust über Blase und Darm bis hin zur Bettlägerigkeit, machen eine Betreuung und Pflege rund um die Uhr notwendig.

Welche Symptome auftreten und wann, ist abhängig von der neurologischen Erkrankung, die zur Demenz geführt hat und wie weit sie schon fortgeschritten ist. Der Krankheitsverlauf ist bei jedem Betroffenen individuell.

Sekundäre Demenz

Wenn die Zerstörung der Nervenzellen im Gehirn aufgrund anderer Ursachen auftritt, spricht man von einer sekundären Demenz. Solche Ursachen können sein: Mangel an Folsäure oder B-Vitaminen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Parkinson, psychische Erkrankungen wie Depressionen, hormonellen Erkrankungen wie Schilddrüsenstörungen, andere Gehirnerkrankungen wie Tumore oder Durchblutungsstörungen aufgrund von Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rauchen. Eine Demenz, die in Folge einer anderen Erkrankung entsteht, kann durch die andere Erkrankungen überdeckt werden. Sie bleibt dadurch lange Zeit unbehandelt und kann schneller fortschreiten. Wird die Grunderkrankung jedoch erfolgreich behandelt und ist dadurch die Schädigung nicht langanhaltend, können sich auch die Demenz-Symptome wieder zurückbilden.

Andere Gedächtnisstörungen

Demenz ist eine Erkrankung, die meist im höheren Alter auftritt. Sie ist von der normalen Vergesslichkeit im Alter, die zum Alterungsprozess dazu gehört, abzugrenzen. Die Altersvergesslichkeit führt dazu, dass sich Betroffene nicht mehr für längere Zeit konzentrieren können und das Lernen sowie Erinnern verlangsamt wird. Zu Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung hingegen kommt es bei der Altersvergesslichkeit meist nur in Belastungssituationen (Zeitdruck oder emotionale Belastung). Es gibt allerdings einen schleichenden Übergang zur Demenz. Wenn komplizierte Alltagsaufgaben nur noch schwer bewältigt werden können, liegt vermutlich eine Demenz vor.

Eine Demenz kann unter Umständen auch mit einer akuten Verwirrtheit (Delir), die andere Ursachen hat, verwechselt werden.

Gefühle und Demenz

Die Gefühle, die ein Mensch empfindet, werden von der Demenzerkrankung nur wenig betroffen. Das bedeutet, dass Demenz-Kranke den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit sehr intensiv erleben. Das ist auch der Grund, warum viele Demenz-Kranke eine Depression entwickeln. Umgekehrt kann Depression auch eine Demenz vortäuschen, denn auch bei einer Depression ist das Denken und Handeln verlangsamt. Es besteht also für beide Erkrankungen die Gefahr, dass eine erfolgreiche Behandlung vertan wird, weil sie aufgrund der anderen Erkrankung übersehen wird.

Durch den Gedächtnisverlust bei Demenz gehen auch die Erinnerungen an wichtige Personen und die Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens mit diesen Personen gesammelt hat, verloren. Das macht das Suchen nach bekannten Gefühlen für den Betroffenen besonders wichtig. Ein anfänglicher Rückzug aus Scham geht später in Unruhe, Ängstlichkeit und Ärger über und ist die Suche nach Geborgenheit, Sicherheit und Schutz.

Ist die Gedächtnisleistung noch nicht komplett verloren gegangen, kann die Beschäftigung mit der Vergangenheit (Biografie-Arbeit) helfen, alte Gefühle wachzurufen. Dazu gehört, dem Patienten alte Bilder oder Gegenstände von früher zu zeigen, ihm Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten, die ihm Freude bereiten und seinen Interessen entsprechen oder auch, ihn mit Gerüchen oder Geschmäckern zu konfrontieren, die eine bestimmte Bedeutung haben (z. B. der Lieblingskuchen nach Uromas Rezept). Bei dem Patienten wird Wohlbefinden erzeugt und Sicherheit vermittelt, weil erhaltene Erinnerungen für den Betroffenen Erfolgserlebnisse sind. Der Patient wird zugänglicher und seine Fähigkeiten können besser genutzt werden, um die Lebensqualität des Kranken und der Bezugspersonen zu verbessern. Dazu ist es hilfreich, zu dem Erkrankten eine persönliche Beziehung zu haben oder aufzubauen. Je besser Sie die Person kennen, desto einfacher ist es. Ohne Biografiekenntnisse ist es schwer, die Bedürfnisse eines Demenzkranken zu erkennen und richtig zu interpretieren. Es gibt natürlich auch negative oder unverarbeitete Erlebnisse, mit denen der Pflegebedürftige sich nicht auseinander setzen möchte. Wenn er sich nicht erinnern will, sollte man das akzeptieren.

Bei vielen Demenz-Kranken, die unruhig sind, tritt diese Unruhe verstärkt abends oder nachts auf. Andere Erkrankungen könnten dafür verantwortlich sein. Findet man diese heraus und werden sie erfolgreich behandelt, wird der Betroffene ruhiger. Denkbar ist aber auch, dass die Person tagsüber eher passiv ist und durch die fehlende Auslastung nachts aktiv wird. Schlaftabletten können die Tagesmüdigkeit durch eine Nachwirkung der Tabletten verstärken. Besser ist es also, den Kranken tagsüber zu aktivieren.

Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz-Kranken können auch aufgrund von Schmerzen auftreten. Menschen mit einer Demenz haben auf Nachfrage möglicherweise ihren Schmerz vergessen oder können ihre Schmerzen und das damit verbundene Leiden nicht verbal äußern. Sie reagieren daher mit Unruhe, Schlafstörungen, Aggression, Halluzinationen, Rückzug, Apathie oder Depressionen.

Früh handeln, wenn Demenz erkannt wird

Die Schädigung und Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn bei Demenzkranken kann schon in einem Stadium festgestellt werden, in dem nur geringgradige Symptome, also nur leichte Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, vorliegen. Das Fortschreiten einer Demenz kann zwar in der Regel nicht gestoppt werden, aber die Zerstörung noch funktionierender Nervenzellen kann verlangsamt werden. Dabei spielen vor allem auch nicht medikamentöse Maßnahmen eine bedeutende Rolle.

Im Frühstadium können im Alltag auftretende Schwierigkeiten durch Erlernen neuer Strategien oder das Anpassen des Verhaltens an die verminderte Leistungsfähigkeit die Lösung sein. Im Verlauf der Demenzerkrankung kommen Verhaltens-, Physio- und Ergotherapie, Gedächtnistraining, körperliche Aktivität, künstlerische Therapien (z. B. Musiktherapie), Biografie-Arbeit (Beschäftigung des Demenz-Kranken mit seiner Lebensgeschichte zur Stärkung der persönlichen Identität und dem Selbstwertgefühl) und sensorische Verfahren zur Beruhigung und Entspannung (z. B. Aromatherapie oder Massagen) zum Einsatz. Diese können mit einer medikamentösen Behandlung ergänzt werden.

Je früher geeignete therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden, desto geringer ist der Anteil zerstörter Nervenzellen und desto besser die Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Aufmerksam werden sollte man, wenn der innere Antrieb und das Interesse an Hobbys und Freizeitbeschäftigungen abnehmen oder wenn alltägliche Aufgaben nicht mehr oder nur schwer bewältigt werden können (zum Beispiel, sich anzuziehen, den Tisch zu decken oder aufzuräumen).

Auch ein gesunder Lebensstil im Allgemeinen wirkt sich günstig auf eine Demenzerkrankung aus, und kann gleichzeitig auch die Entstehung einer Demenz hinauszögern.  Durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, dem Verzicht auf Rauchen, geistige Aktivitäten und soziale Kontakte werden die Nervenzellen des Gehirns aktiviert und die Schaltstellen zwischen den Nervenzellen ausgebaut und stabilisiert. Bei einem ungesunden Lebensstil werden die Blutgefäße verengt und damit die Sauerstoffversorgung im Gehirn behindert, was ebenfalls zum Absterben von Nervenzellen führen kann.

Wie verhalte ich mich als Angehöriger?

Der Verlust von Anteilnahme und Einfühlungsvermögen ist für viele Angehörige schwer zu ertragen. Zudem kann die Unruhe eines Demenzkranken extrem belastend sein und sich auf den Betreuer übertragen. Dann ist Geduld gefragt. Findet man die Ursache der Unruhe heraus, kann durch entsprechende Gegenmaßnahmen die störende Verhaltensweise erheblich verbessert werden.

Beispiele für Ursachen und Gegenmaßnahmen sind:

  • Unruhe aufgrund einer Veränderungen der Umgebung: Vermeiden Sie, soweit es geht, Veränderungen in der Umgebung des Betroffenen vorzunhemen.
  • Erhöhte Sensibilität oder Angst vor Reizen, z. B. Fernsehbildern oder dem eigenen Spiegelbild: Lassen Sie den Betroffenen nur noch Fernsehsendungen ohne entsprechende Reize anschauen und entfernen Sie Spiegel aus der Wohnung.
  • Schmerzen aufgrund von körperlichen Beschwerden: Lassen Sie körperliche Beschwerden immer durch einen Arzt behandeln.
  • Zu hohe Dosierung von Neuroleptika (AM gegen Erregungszustände), weil diese einen Zell- und Substanzverlust im Gehirn verursachen: Dosisanpassung durch den Arzt
  • Sollten Betroffene auch andere Medikamente wie z.B. Herzglykoside oder Anticholinergika einnehmen, lassen Sie diese Medikation immer durch den Arzt überprüfen
  • Unruhe und aggressives Verhalten aufgrund von mangelnder Bewegung: Ungebrauchte Energiereserven durch fehlende geistige und körperliche Auslastung können bei Demenzkranken mit Bewegungsdrang zu Verhaltensänderungen führen. Sie sollten für die Betroffenen nach Möglichkeit eine Umgebung schaffen, in der sie sich ohne Gefährdung bewegen können. Bewegung bedeutet für den Betroffenen, sich selbst wahrzunehmen, und sorgt für Ausgleich und Ruhe.
  • Aggression und Verhaltensänderungen aufgrund einer ungünstigen Kommunikation mit dem Betroffenen, z. B. in Form von Konfrontationen mit Defiziten:  Vermeiden Sie eine direkte Konfrontation des Betroffenen mit den Defiziten.

Allgemein gilt: Akzeptiren Sie das Verhalten als eine Symptomatik, die durch den Krankheitsprozess verursacht ist. So lässt sich gelassener mit den Veränderungen umgehen. Anschuldigungen des Kranken sollten auf keinen Fall persönlich genommen werden und man sollte auch nicht versuchen, dem Erkrankten beizubringen, dass er Unrecht hat. Denn das würde ihn zusätzlich verunsichern und stressen.

Das wichtigste beim Umgang mit einem Demenzkranken ist, beruhigend auf ihn einzugehen und so Geduld und Verständnis zu vermitteln. Entscheidend ist, ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen zu vermitteln. Der Inhalt dessen, was gesagt wird, ist dabei zweitrangig, eine Geste die der Kranke spürt reicht unter Umständen aus. So werden soziale Bindungen unterstützt, um Vertrauen, Sicherheit und Zugehörigkeit zu stärken. Das wiederum hat in vielen Fällen günstige Rückwirkungen auf das Verhalten des Patienten.

Den Umgang mit psychischen und Verhaltenssymptomen bei Demenzkranken kann man in speziellen Schulungen erlernen. Angehörigen wird geraten, sich Hilfe und Unterstützung bei Selbsthilfegruppen zu suchen. Das hilft nicht nur den Erkrankten, auch als Angehöriger profitieren Sie (sowohl psychisch, als auch körperlich).